Wie wir wirklich leben: Wasser, Strom und Einkaufen auf unserem Katamaran
- Barbora

- 6. Aug.
- 5 Min. Lesezeit

Viele stellen sich unser Leben auf dem Katamaran unglaublich kompliziert vor.
"Wo duscht ihr eigentlich?"
"Habt ihr überhaupt Strom?"
"Müsst ihr jeden Tag einkaufen?"
Ehrlich gesagt haben wir uns diese Fragen früher genauso gestellt.
Heute gehören sie einfach zu unserem Alltag.
Manche Dinge sind tatsächlich aufwendiger geworden.
Andere überraschend viel einfacher.
Nach zwei Jahren mit Maido fühlt sich vieles längst ganz normal an.
Deshalb nehme ich dich heute einfach mit durch einen ganz gewöhnlichen Tag bei uns.
Unser Wasser ist plötzlich wertvoll geworden
Wenn Besucher zu uns an Bord kommen, sagen wir meistens gleich am Anfang einen Satz:
„Mit Wasser müssen wir sparsam umgehen.“
Die meisten nicken verständnisvoll.
Doch erst wenn sie sehen, wie wir tatsächlich Geschirr spülen oder duschen, merken sie, was das wirklich bedeutet.
Dann kommen fast immer dieselben Fragen.
„Reichen euch die 600 Liter wirklich?“
„Müsst ihr ständig Wasser bunkern?“
Eigentlich leben wir mitten auf dem Meer.
Und trotzdem ist Süßwasser einer unserer wertvollsten Vorräte.
Unsere beiden Wassertanks fassen zusammen 600 Liter.
Daraus kommt alles:
Trinkwasser.
Kaffee.
Kochen.
Geschirr spülen.
Duschen.
Waschmaschine.
Dank unseres Wasserfilters können wir das Wasser direkt aus den Tanks trinken.
Das erspart uns unzählige Plastikflaschen und macht uns deutlich unabhängiger.
Von unseren Camperreisen waren wir bereits daran gewöhnt, bewusst mit Wasser umzugehen.
Auf einem Katamaran bekommt dieses Thema aber noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Erstaunlicherweise kommen wir zu zweit mit einer Tankfüllung meist drei bis vier Wochen aus.
Viele können sich das kaum vorstellen.
Während unserer Reise war Wasser allerdings selten ein Problem.
Auf unserer Route kamen wir regelmäßig an Marinas vorbei und konnten die Tanks problemlos auffüllen.
Seit wir dauerhaft vor Anker leben, hat sich unser Umgang mit Wasser aber noch einmal verändert.
Heute überlegen wir ganz automatisch, wann wir die Waschmaschine einschalten, wie wir Geschirr spülen oder ob die nächste Marina überhaupt auf unserem Weg liegt.
Nicht aus Zwang.
Sondern weil Wasser für uns seinen eigentlichen Wert zurückbekommen hat.
Unser Strom kommt von der Sonne
Eine der größten Überraschungen für viele Besucher ist unser Strom.
Viele denken zuerst an einen Generator.
Oder daran, dass wir ständig im Hafen liegen müssen.
Beides stimmt nicht.
Unsere Solaranlage versorgt uns fast das ganze Jahr mit Strom.
Sie lädt unsere Batterien und versorgt den gesamten Alltag an Bord.
Kühlschränke.
Gefrierschrank.
Licht.
Wasserpumpen.
Waschmaschine.
Laptops.
Handys.
Router.
Kaffeemaschine.
Eigentlich alles, was wir täglich brauchen.
Gerade im Sommer funktioniert das erstaunlich gut.
Selbst mehrere bewölkte Tage bringen uns selten an unsere Grenzen.
Nur im Winter oder bei längeren Schlechtwetterphasen beobachten wir unseren Stromverbrauch etwas genauer.
Früher war Strom für uns selbstverständlich.
Heute freuen wir uns morgens über die ersten Sonnenstrahlen nicht nur wegen des schönen Wetters.
Sondern weil wir wissen, dass genau dann unsere Batterien wieder voller werden.
Seit wir unsere Solaranlage installiert haben, denken wir über Strom fast gar nicht mehr nach. Und genau das fühlt sich für uns nach Freiheit an.
Einkaufen ist bei uns kein kurzer Weg zum Supermarkt

Früher bedeutete Einkaufen:
Ins Auto steigen.
Zum Supermarkt fahren.
Zurück nach Hause.
Heute ist daraus fast eine kleine Tagesaufgabe geworden.
Wenn wir in einer abgelegenen Bucht liegen, fahren wir zuerst mit dem Dinghy an Land.
Dort suchen wir einen sicheren Platz zum Anlegen.
Erst dann beginnt der eigentliche Einkauf.
Anschließend müssen alle Taschen wieder zurück ins Dinghy.
Von dort auf den Katamaran.
Und schließlich an ihren Platz.
Deshalb planen wir unsere Einkäufe deutlich bewusster als früher. Und trotzdem fühlt sich jeder Einkauf am Ende eher wie eine kleine Expedition an.
Wir überlegen vorher genau, was wir wirklich brauchen.
Was sich gut lagern lässt.
Und was wir in den nächsten Tagen kochen möchten.
Besonders angenehm ist dabei die Türkei.
Viele kleine Supermärkte bieten einen kostenlosen Lieferservice bis zum Hafen an.
Das erleichtert unseren Alltag enorm.
Trotzdem gehört Einkaufen bis heute zu unseren unbeliebtesten Aufgaben.
Nicht wegen der Arbeit.
Sondern weil sie einfach viel Zeit kostet.
Frisches Brot riecht auch mitten auf dem Meer nach Zuhause
Das hätte wahrscheinlich niemand erwartet:
Wir kaufen Brot auf Vorrat und frieren es in kleinen Stücken ein.
Etwa die Hälfte unseres Gefrierschranks ist für Brot reserviert.
Geht uns das Brot aus oder finden wir keins, das uns schmeckt, hilft Omnia – eine Art Stovetop-Backofen, der auf dem Herd funktioniert, ganz ohne klassischen Backofen an Bord. Damit backen wir Brot mit Nüssen und Haferflocken, die Rezepte findet man leicht im Internet und kann sie endlos variieren. Mein Mann mag das selbstgemachte Brot am liebsten.
Für viele Camper und Segler gehört er inzwischen fast zur Grundausstattung.
Weniger Vorräte bedeuten mehr Planung
Auf einem Boot kauft man nicht spontan für den Abend ein.
Man denkt oft schon mehrere Tage voraus.
Wie lange bleiben wir noch in dieser Bucht?
Wann kommen wir wieder in eine Stadt?
Brauchen wir vorher noch frisches Obst oder Gemüse?
Mit der Zeit entwickelt sich dafür fast automatisch ein Gefühl.
Wir verschwenden deutlich weniger Lebensmittel als früher.
Wir kaufen bewusster ein.
Und wir kochen kreativer mit dem, was gerade an Bord ist.
Der Alltag fühlt sich einfacher an

Viele glauben, dass das Leben auf einem Boot komplizierter ist.
Man muss Wasser sparen.
Strom im Blick behalten.
Einkäufe planen.
Und trotzdem fühlt sich unser Alltag heute oft einfacher an.
Vielleicht, weil viele Entscheidungen weggefallen sind.
Vielleicht, weil wir gelernt haben, mit dem auszukommen, was gerade da ist.
Oder vielleicht, weil wir gemerkt haben, dass wir viel weniger brauchen, als wir früher gedacht haben.
Viele romantisieren das Bootsleben.
Die Wahrheit ist: Manche Dinge dauern einfach länger.
Wir haben nicht gelernt zu verzichten
Wir besitzen weniger Dinge.
Aber wir vermissen kaum etwas.
Wir verbringen weniger Zeit im Auto.
Dafür mehr Zeit draußen.
Wir hören kaum Verkehr.
Dafür Wind.
Wellen.
Vögel.
Wir räumen weniger auf.
Wir treffen weniger Entscheidungen.
Und obwohl unser Zuhause deutlich kleiner geworden ist, fühlt sich unser Leben heute größer an als früher.
Vielleicht, weil wir gemerkt haben, dass Freiheit nicht davon abhängt, wie viel Platz man besitzt. Sondern davon, wie viel Ruhe man im Alltag findet.
Früher dachten wir, das Leben auf einem Boot würde aus Verzicht bestehen.
Heute fühlt es sich eher nach dem Gegenteil an.
Ja.
Wir planen unsere Einkäufe.
Wir achten auf Wasser.
Wir überlegen manchmal genauer.
Aber genau dadurch ist vieles einfacher geworden.
Bewusster.
Ruhiger.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sich Maido für uns schon lange nicht mehr wie ein Boot anfühlt. Sondern wie unser Zuhause.
Mit wenig Platz verändert sich nicht nur der Umgang mit Wasser, sondern unser gesamter Blick auf Besitz und Alltag.
Wie wir Küche, Technik und Stauraum auf Maido organisiert haben, erzähle ich in diesem Artikel.
Wie stark Wetter unseren Alltag bestimmt, haben wir besonders auf den letzten Etappen unserer ersten Saison erlebt.
Warum wir heute bewusster leben als früher, begann eigentlich schon auf unserer ersten großen Reise.



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