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Unser Zuhause hat nur 45 Quadratmeter – und trotzdem fehlt uns nichts

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 30. Juli
  • 5 Min. Lesezeit


leben auf dem Katamaran - Salon von Katamaran Maido


Fast jeder stellt uns dieselbe Frage


Wenn wir erzählen, dass wir dauerhaft auf einem 38-Fuß-Katamaran leben, kommt fast immer dieselbe Frage:


„Habt ihr da überhaupt genug Platz?“


Ehrlich gesagt habe ich mir genau dieselbe Frage gestellt, bevor wir eingezogen sind.


Heute würde ich sie ganz anders beantworten.

Nicht der Platz entscheidet darüber, ob man sich zuhause fühlt.

Sondern das Gefühl, das dieser Ort in einem auslöst.


Früher dachte ich, ein großes Zuhause bedeutet automatisch mehr Freiheit.

Heute weiß ich:

Es kann auch genau andersherum sein.


Wie wir überhaupt auf die Idee kamen, alles zu verkaufen und auf einen Katamaran zu ziehen.




Man gewöhnt sich erstaunlich schnell an wenig Platz


Als wir im Winter dauerhaft auf Maido einzogen, fühlte sich natürlich erst einmal alles kleiner an.


Unser Katamaran ist zwar die Vier-Kabinen-Version, trotzdem bleibt es ein Boot.

Die Räume sind schmaler.

Die Türen niedriger.

Jeder Winkel wird als Stauraum genutzt.

Jede Luke hat eine Aufgabe.


Trotzdem besitzt jede Kabine einen kleinen Kleiderschrank, ein Schuhfach und mehrere Ablagen.


Wir wollten unbedingt zwei Kabinen als Gästezimmer behalten.

Deshalb nutzten wir dort ausschließlich den Platz unter den Betten als Stauraum.


Allein diese Entscheidung zwang uns dazu, über jede einzelne Sache nachzudenken.

Brauchen wir sie wirklich?

Oder nehmen wir sie nur mit, weil noch Platz wäre?


Heute laufe ich manchmal durch Möbelhäuser und frage mich:

Wofür braucht man eigentlich so viele Schränke?

Nicht, weil ich Minimalismus beweisen möchte.

Sondern weil ich gemerkt habe, wie wenig davon ich tatsächlich vermisse.




Unsere Küche ist kleiner als manche Arbeitsplatte


Wenn Besucher unsere Küche sehen, staunen sie oft.

Dabei ist sie eigentlich ganz unspektakulär.


In zwei kleinen Schränken befindet sich fast unsere komplette Küchenausstattung.

Sieben große Teller.

Acht kleine Teller.

Ein paar Gläser.

Tassen.

Drei Töpfe.

Zwei Pfannen.


Mehr braucht es im Alltag tatsächlich nicht.


Natürlich haben wir uns auch kleine Wünsche erfüllt.

Eine Kaffeemaschine.

Ein Wasserkocher.

Ein OptiGrill.

Eine Eismaschine.

Und der Omnia-Backofen sorgt regelmäßig für frisches Brot.


Den originalen Gasofen nutzen wir dagegen kaum noch.

Mittlerweile überlegen wir sogar, ihn gegen einen Geschirrspüler auszutauschen.

Nicht, weil wir keine Lust aufs Abwaschen hätten.

Sondern weil eine Spülmaschine deutlich weniger Wasser verbraucht als das Spülen von Hand.

Und Wasser ist auf einem Boot kostbarer als Strom.

cocpit von katamaran maido - leben auf dem katamaran

Auch unseren Herd haben wir inzwischen umgebaut.

Heute kochen wir überwiegend elektrisch.

Die Gasflamme dient nur noch als Reserve.

Über Solar funktioniert das erstaunlich gut – selbst an Bord.


Mit der Zeit haben wir außerdem gelernt, unsere Einkäufe ganz anders zu planen.

Ein normaler Einkauf dauert bei uns selten nur eine Stunde.


Oft ankern wir erst vor einer Stadt, fahren mit dem Dinghy an Land, erledigen den Einkauf und bringen anschließend alles wieder zurück aufs Boot.

In der Türkei helfen viele kleine Supermärkte sogar dabei und liefern die Einkäufe direkt bis zum Hafen.


Trotzdem bleibt Einkaufen wahrscheinlich die Tätigkeit, die wir am wenigsten mögen.


Durch unseren zusätzlichen Gefrierschrank und den Wasserfilter können wir dafür aber problemlos mehrere Wochen autark leben.


Und genau das schenkt uns etwas, das wir viel wertvoller finden als eine große Küche:

Unabhängigkeit.




Im Badezimmer wird vieles plötzlich unwichtig


Auch unser Bad ist klein.

Vielleicht gerade deshalb.

Dort stellte sich irgendwann ganz automatisch eine einfache Frage:

Brauche ich wirklich fünf verschiedene Shampoos?

Oder reicht eines?


Heute nutzen wir überwiegend biologisch abbaubare Seifen, die gleichzeitig für Haare und Körper geeignet sind.

Sie sparen Platz.

Sie belasten die Natur weniger.

Und sie lassen sich deutlich schneller wieder abspülen.


Im kleinen Badezimmerschrank findet trotzdem alles seinen Platz.

Zahnbürsten.

Rasierer.

Schere.

Toilettenpapier.

Mehr brauchen wir im Alltag kaum.


Früher hätte ich darüber wahrscheinlich gar nicht nachgedacht.

Heute fühlt sich diese Einfachheit eher befreiend an.




Überraschenderweise passt unsere Kleidung komplett in einen kleinen Schrank


Im Sommer leben wir fast ausschließlich in Badebekleidung, T-Shirt und Shorts.

Ein dünner Pullover für den Abend.

Eine Kappe gegen die Sonne.

Mehr braucht es meistens nicht.


Natürlich besitzen wir auch Kleidung für kühlere Tage.

Turnschuhe.

Winterschuhe.

Eine Jacke.

Sogar der Anzug meines Mannes hat einen Platz gefunden.

Nach seinem Motto:

„Man weiß ja nie.“


Erstaunlicherweise vermissen wir trotzdem nichts.

Nicht, weil wir uns einschränken.

Sondern weil wir gemerkt haben, dass wir ohnehin immer dieselben Lieblingssachen tragen.




Der größte Platzfresser sind gar nicht unsere Sachen


Viele denken zuerst an Kleidung.

Oder an Schuhe.


Die Wahrheit sieht völlig anders aus.

Den meisten Platz benötigen Dinge, die man von außen kaum wahrnimmt.

Werkzeug.

Motoröl.

Filter.

Pumpen.

Fender.

Leinen.

Rettungsinsel.

Ersatzteile.

Und noch mehr Werkzeug.


Gerade als Anfänger dachten wir oft:

„Das brauchen wir bestimmt nie.“


Heute können wir sagen:

Fast jedes einzelne Teil kam irgendwann tatsächlich zum Einsatz.


Selbst unsere 80 Meter langen Landleinen, die wir später zusätzlich gekauft haben.


Auf einem Boot wird schnell klar:

Luxus ist nicht der zweite Pullover.

Luxus ist das Ersatzteil, das genau im richtigen Moment an Bord ist.


Unser Winterrefit – warum unser Katamaran plötzlich zur Baustelle wurde.




Ordnung ist auf einem Boot keine Frage des Geschmacks

trampolin von katamaran maido - leben auf dem katamaran

Sie ist notwendig.

Alles hat seinen festen Platz.

Nicht nur, damit wir es schnell finden.

Sondern weil während der Fahrt nichts herumfliegen darf.


Fast alle Kleinteile liegen deshalb in beschrifteten Kisten.

Dadurch bleibt alles übersichtlich.

Und ich muss keine akrobatischen Übungen machen, um irgendwo in der Bilge nach einer Schraube zu suchen.


Mit der Zeit merkt man:

Ordnung spart nicht nur Platz.

Sie spart auch unglaublich viel Energie.


4.000 Seemeilen später: Was wir wirklich an Bord brauchen.



Warum wir uns trotzdem nie eingeengt fühlen


Vielleicht liegt es daran, dass sich unser Leben gar nicht drinnen abspielt.

Unser Wohnzimmer ist meistens draußen.

Im Cockpit.

Auf dem Trampolin.

Oder einfach mit den Füßen im Wasser.

Während andere aus dem Fenster auf Häuser schauen, blicken wir aufs Meer.

Abends sitzen wir unter dem Sternenhimmel.

Manchmal springen wir einfach noch einmal ins Wasser.


Und wenn es regnet, wird aus unserem kleinen Salon ein gemütlicher Rückzugsort.

Vielleicht fühlt sich unser Zuhause deshalb größer an, als es tatsächlich ist.

Nicht wegen seiner Quadratmeter.

Sondern wegen der Aussicht.




Weniger Platz. Mehr Freiheit.


Früher dachte ich, ein größeres Zuhause würde automatisch mehr Möglichkeiten bedeuten.

Heute empfinde ich es genau andersherum.

Je weniger Dinge wir besitzen, desto weniger müssen wir organisieren.

Desto weniger müssen wir aufräumen.

Desto weniger Entscheidungen treffen wir jeden Tag.

Und desto mehr Ruhe bleibt übrig.


Unser Zuhause ist kleiner geworden.

Unser Leben fühlt sich dafür größer an.


Und vielleicht ist genau das die größte Überraschung am Leben auf einem Katamaran.


Früher hätte ich gedacht, dass mir auf so wenig Raum ständig etwas fehlen würde.

Heute fällt mir eher auf, wie wenig ich aus unserem alten Leben vermisse.




Wenn dich interessiert, wie sich das Leben auf einem Katamaran wirklich anfühlt und du es selbst einmal erleben möchtest, findest du hier alle Informationen zu unseren Mitsegelreisen.

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