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Warum Warten zu unserem Alltag gehört

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 22. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

...und was wir dabei lernen


Warten vor Anker auf Wind auf einem Katamaran


Wir liegen seit zwei Tagen in derselben Bucht.

Der Wind steht falsch.

Die Hitze drückt.


Wir könnten losfahren, aber es wäre unangenehm, vielleicht sogar unklug.

Also bleiben wir.


Die Bucht ist voll.

Andere Boote liegen dicht neben uns, manche mit laufendem Generator, die ganze Nacht.

Wir kommen nicht an Land.

Wir warten einfach.


Ich merke, wie mich das manchmal nervt. Nicht dramatisch. Einfach nervig.




Die vielen kleinen Formen des Wartens


Seit wir auf Maido leben, warten wir ständig auf irgendetwas.


Auf Wind, der sich dreht.

Auf ruhigeres Wasser, um mit den Landleinen ans Ufer zu schwimmen und das Boot festzumachen.

Auf einen Moment ohne Seitenwind, um überhaupt erst ankern zu können.

Auf Ersatzteile, die irgendwo unterwegs sind.

Auf besseres Wetter, um weiterzufahren, obwohl wir eigentlich schon längst weiter wollten.


Manches davon dauert Stunden.

Anderes dauert Tage.


Am Anfang haben wir versucht, das Warten zu planen.

Einen Tag zu geben, vielleicht zwei.


Inzwischen wissen wir: Es hat keinen Sinn, dem Wetter einen Zeitplan vorzugeben.

Es kommt, wann es kommt.




Wie sich Warten früher angefühlt hat


Früher war Warten für mich meistens ein kurzer, ärgerlicher Moment.

Der Zug, der Verspätung hatte.

Die Schlange an der Kasse.

Der Stau, der den Feierabend auffraß.


Es war etwas, das man aushalten musste, bis es vorbei war.

Danach ging der Tag normal weiter.


Hier ist das anders.


Wenn wir auf Wind warten, wartet nicht nur ein Termin.

Es wartet der ganze Tag. Manchmal mehrere.


Es gibt kein Ausweichen, kein „dann eben morgen früh anders planen".

Es gibt nur: noch nicht.




Was sich am Umgang damit verändert hat


Ich glaube nicht, dass wir geduldiger geworden sind.

Nicht wirklich.


Was sich verändert hat, ist eher, dass wir gelernt haben, mit dem Warten weniger zu kämpfen.


Wir prüfen die Wettervorhersage, dann lassen wir sie erstmal in Ruhe.

Wir lesen, reparieren etwas, das schon lange liegengeblieben ist, oder wir tun eine Weile einfach gar nichts.


Manchmal geht das gut.

Manchmal nicht.


In der vollen Bucht, in der wir gerade liegen, merke ich vor allem eines:

Es ist mir egal, wie schön der Ankerplatz eigentlich ist, wenn um uns herum ständig Motoren laufen und wir nicht an Land können.


Dann ist Warten einfach nur Warten.

Nicht besinnlich, nicht lehrreich.

Nervig.


Und ein paar Tage später, in einer kleinen Ecke, in der außer uns kein Boot Platz hat, fühlt sich derselbe Zustand — festliegen, nicht weiterkönnen — auf einmal ganz anders an.

Ruhig. Fast angenehm.


Ich weiß nicht genau, woran das liegt.

Vielleicht einfach daran, wer sonst noch da ist.


Leben auf dem Katamaran

Kein Fazit, nur ein Gedanke


Ich hätte gern einen Satz, der das Warten in etwas Sinnvolles verwandelt.

Etwas wie: Wir haben gelernt, geduldig zu sein.

Aber das stimmt nicht ganz.


Wir haben eher gelernt, dass Warten nicht immer dasselbe bedeutet.

Manchmal ist es Stillstand, den man einfach aushält.

Manchmal ist es der Grund, warum wir überhaupt hier sind.


Heute Morgen hat sich der Wind gedreht. Wir fahren weiter.





Vielleicht möchtest du nicht selbst auf einem Katamaran leben.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl des Wartens trotzdem.

Auf etwas, das noch nicht soweit ist.

Auf eine Entscheidung. Auf eine Veränderung. Oder einfach auf ein bisschen Ruhe.


Wenn du uns nicht nur durch unsere Reise, sondern auch durch diese Gedanken begleiten möchtest, kannst du hier weiterlesen





Wie wir wirklich leben: Wasser, Strom und Einkaufen auf unserem Katamaran

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