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Was das Leben auf dem Katamaran mit uns macht

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit
Morgen auf dem Katamaran - Leben am Meer - einfacher leben


Wir liegen seit zwei Tagen in einer Bucht vor Göcek.

Versteckt vor starkem Wind.

Genau genommen stimmt das nicht ganz.


Wir liegen nicht wirklich geschützt. Der Wind kommt von den Bergen und prallt direkt in die Bucht.

Aber weil er von oben kommt, hat die Welle kaum eine Chance, sich aufzubauen.

Der Wind prasselt auf Maido.

Aber wir werden nicht durchgeschüttelt.


Eigentlich logisch.

Trotzdem musste ich es erst erleben, bevor ich es wirklich verstanden habe.

So ist es mit vielen Dingen hier.


Man lernt sie nicht, weil jemand sie erklärt.

Man lernt sie, weil man irgendwann selbst mittendrin liegt.




Barfuß


Heute habe ich mich gefragt, wann ich das letzte Mal richtig Schuhe getragen habe.

Wir gehen zwischendurch an Land. Meistens zum Einkaufen oder um irgendetwas zu erledigen.

Aber das ist kurz.

Den Rest der Zeit bin ich barfuß.


Im Sommer braucht man auf dem Boot eigentlich keine Schuhe.

Nichts drückt.

Nichts muss zugebunden werden.

Keine Blasen.

Keine schweren Schritte.


Fast wie eine kleine Erholung für die Füße.

Etwas Ursprüngliches.


Und manchmal frage ich mich, ob ich mich irgendwann wieder daran gewöhnen werde, ständig Schuhe zu tragen.


Es sind solche Kleinigkeiten, an denen ich merke, wie sehr sich unser Alltag verändert hat.



Der Morgen beginnt anders


Wenn wir aufstehen, machen wir zuerst das Ankerlicht aus.

Danach gibt es meistens einiges zu tun.


Über Nacht wird das ganze Boot staubig, nass und manchmal richtig dreckig.

Durch die offene Lage kommt immer wieder etwas Salz und Feuchtigkeit an Bord.

Wir nutzen deshalb die Morgendämmerung und das Kondenswasser, das sich über Nacht gesammelt hat, um Maido einmal durchzuwischen.

Kein Süßwasser aus dem Tank nötig.

Es ist eine der einfachsten Möglichkeiten, das Boot sauber zu halten.


Danach schauen wir zum Himmel.

Der verrät uns oft schon ziemlich viel darüber, was uns an diesem Tag erwartet.

Trotzdem schauen wir noch auf die Wetter-Apps.


Manchmal stimmen sie.

Oft nicht.

Gerade im Mittelmeer haben wir gelernt, dass eine Wettervorhersage zwar unglaublich hilfreich ist, aber niemals den Blick aus dem Fenster ersetzt.

Leben auf dem Katamaran - Morgenroutine

Ich glaube, das Leben auf dem Wasser hat mich sensibler gemacht.

Nicht nur für das Wetter.


Auch für Geräusche, Bewegungen und Kleinigkeiten, die ich früher wahrscheinlich überhaupt nicht wahrgenommen hätte.


Jedes ungewöhnliche Geräusch fällt uns inzwischen auf.

Ein Vogel, der auf dem Dach landet.

Eine Leine, die plötzlich anders schlägt.

Geschirr, das nicht richtig verstaut ist.

Ein Rütteln, das nicht zum normalen Bewegungsablauf von Maido gehört.


Man hört irgendwann, wenn etwas nicht stimmt.

Und manchmal spürt man es sogar, bevor man weiß, was eigentlich anders ist.




Auch der Geschmack verändert sich


Nicht nur unsere Ohren und Augen scheinen empfindlicher geworden zu sein.

Auch beim Essen merke ich Veränderungen.


Ich bin eigentlich eine leidenschaftliche Kaffeetrinkerin.

Trotzdem finde ich den Kaffeegeruch während der Fahrt manchmal fast unangenehm.


Vielleicht liegt es daran, dass auf dem Boot alles intensiver wahrgenommen wird.

Vielleicht auch daran, dass der Körper während einer Fahrt andere Dinge braucht.


Wenn wir ein paar Tage kein frisches Obst oder Gemüse hatten, fehlt es uns jedenfalls richtig.

Nicht nur im Kopf.

Als würde der Körper irgendwann selbst sagen, was ihm gerade fehlt.


Auch das hätte ich früher wahrscheinlich nicht so wahrgenommen.




Einfach ins Wasser springen


Was ich jedes Mal feiere:


Nach einer anstrengenden Fahrt oder einem langen Landgang einfach ins Wasser springen zu können.


Ein paar Minuten schwimmen.

Danach bist du wieder wach.

Wieder frisch.

Und irgendwie kann der Tag noch einmal von vorne beginnen.


Das kannte ich aus unserer Camper-Zeit nicht.

Wenn wir damals nach einer langen Fahrt endlich einen Stellplatz gefunden hatten, war ich meistens einfach nur kaputt.


Stellplatz suchen.

Parken.

Einrichten.

Kochen.

Und irgendwann ins Bett.


Auf dem Boot funktioniert vieles anders.


Natürlich ist auch eine lange Fahrt anstrengend. Aber das Wasser ist direkt vor der Tür.

Manchmal reicht ein Sprung hinein, um sich wieder ganz anders zu fühlen.


Vielleicht sehe ich deshalb inzwischen vieles etwas lockerer.

Ich nehme nicht mehr jede Kleinigkeit so ernst.




Der Abend


Manche würden uns wahrscheinlich dafür belächeln, aber wir haben eine feste Abendroutine.


Wir kontrollieren das Boot.

Ziehen das Dinghy hoch.

Machen das Ankerlicht an.

Schließen die Türen.

Und schauen noch einmal, ob alles dort ist, wo es sein soll.


Das klingt vielleicht übertrieben.

Für uns ist es inzwischen ganz normal.


Alles ist so vorbereitet, dass wir auch mitten in der Nacht sofort startklar wären, falls sich das Wetter verändert oder etwas anderes passiert.

Es gab bereits Situationen, in denen uns genau diese Routine eine unangenehme Lage erspart hat.


Und ganz ehrlich:

Es ist auch einfach angenehm, am nächsten Morgen direkt losfahren zu können, ohne erst an tausend Dinge denken zu müssen.




Das Leben wird langsamer


Vielleicht ist genau das eine der größten Veränderungen.


Unser Alltag ist langsamer geworden.

Nicht unbedingt einfacher.

Und ganz sicher nicht immer bequemer.

Aber langsamer.


Kochen.

Duschen.

Wäsche waschen.

Einkaufen.

Weiterfahren.


Auf weniger Welle.

Auf einen freien Ankerplatz.

Auf einen Moment, in dem alles zusammenpasst.


Früher hätte mich das wahrscheinlich wahnsinnig gemacht.

Heute gehört es einfach dazu.


Und irgendwo zwischen all diesen kleinen Wartezeiten ist etwas passiert, das ich selbst lange nicht bemerkt habe.

Wir sind ruhiger geworden.




Und was es mit uns macht


Wir haben beide gemerkt, dass wir entspannter geworden sind.

Das ist nicht innerhalb einer Woche passiert.

Es hat sich langsam eingeschlichen.


Zwischen den Morgenstunden auf dem Wasser.

Zwischen einem Sprung ins Meer.

Zwischen Tagen, an denen wir einfach bleiben, obwohl wir eigentlich weiterfahren wollten.

Und zwischen Abenden, an denen wir draußen sitzen und eigentlich nichts Besonderes passiert.


Wir wissen inzwischen genauer, was uns guttut.

Und vielleicht noch wichtiger:

Wir wissen besser, was uns nicht guttut.


Lärm.

Hektik.

Dauernde Bewegung.

Das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen.


Wir brauchen nicht mehr so viel, um uns wohlzufühlen.


Vielleicht hat uns das Leben auf Maido deshalb nicht nur beigebracht, langsamer zu leben.

Vielleicht hat es uns gezeigt, wie wir eigentlich leben möchten.


Wie wir das alles mitnehmen, wenn wir wieder mehr Zeit an Land verbringen, weiß ich noch nicht.

Vielleicht verändert sich dann wieder etwas.


Vielleicht vermissen wir irgendwann genau die Dinge, von denen wir heute glauben, sie nicht mehr zu brauchen.


Aber im Moment fühlt es sich richtig an.

Und vielleicht muss man nicht immer schon wissen, wie es weitergeht.


Manchmal reicht es, zu merken, dass sich das Hier und Jetzt richtig anfühlt.






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