Warum uns das Leben auf einem Katamaran zu Minimalisten gemacht
- Barbora

- 23. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Früher dachte ich, Minimalismus bedeutet Verzicht
Früher dachte ich, Minimalismus bedeutet, möglichst wenig zu besitzen.
Heute glaube ich, dass Minimalismus etwas ganz anderes ist.
Er beginnt nicht im Kleiderschrank.
Sondern bei einer einzigen Frage:
Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein?
Ich glaube, jeder beantwortet diese Frage irgendwann anders.
Für uns kam die Antwort nicht plötzlich.
Sie ist über viele Jahre langsam gewachsen.
Erst im Camper.
Heute auf unserem Katamaran.
Und rückblickend merke ich, dass es nie nur um weniger Dinge ging.
Sondern um mehr Ruhe.
Der Camper hat uns auf vieles vorbereitet
Mit unserem Camper waren wir viele Jahre unterwegs.
Sechs Meter Kastenwagen.
Nicht besonders groß.
Aber erstaunlich gut durchdacht.
Man lernt sehr schnell, Prioritäten zu setzen.
Jeder Gegenstand braucht seinen Platz.
Und alles, was mitfährt, nimmt irgendwo anderen Platz weg.
Ich war schon immer eher der Mensch, der lieber weniger besitzt und dafür genau weiß, wo alles liegt.
Mein Mann dagegen lebte lange nach dem Motto:
"Lieber haben als brauchen."
Vor allem als Handwerker.
Man weiß schließlich nie.
Vielleicht braucht man genau dieses Werkzeug irgendwann noch.
Als wir unsere Wohnung aufgelöst haben und dauerhaft in den Camper gezogen sind, mussten wir uns von vielen Dingen trennen.
Ganz leicht fiel uns das nicht.
Deshalb mieteten wir zusätzlich eine Garage, in der die wichtigsten Werkzeuge und einige Dinge blieben.
Ein bisschen Sicherheit für den Fall der Fälle.
Unterwegs merkten wir aber schnell:
Uns fehlte eigentlich erstaunlich wenig.
Fast immer fanden wir eine Lösung.
Und genau dieses Gefühl nahmen wir später mit aufs Boot.
Plötzlich hatten wir viel mehr Platz – und trotzdem wieder zu wenig
Als wir Maido kauften, fühlte sich der Platz im Vergleich zum Camper riesig an.
Vier Kabinen.
Mehr Stauraum.
Mehr Möglichkeiten.
Fast schon Luxus.
Also bauten wir eine komplette Seite für uns um.
Die vordere Koje wurde Werkstatt.
Dazu kamen Wäscheraum, zusätzlicher Gefrierschrank und Stauraum.
Endlich Platz für all die Dinge, die wir im Camper manchmal vermisst hatten.
Zumindest dachten wir das.
Doch schon während wir Maido ausrüsteten, wurde uns klar:
Auch auf einem Katamaran ist Platz begrenzt.
Vielleicht sogar mehr, als man denkt.
Denn auf einem Boot zählt nicht nur der Stauraum.
Sondern auch das Gewicht.
Jedes Werkzeug.
Jedes Ersatzteil.
Jede Maschine.
Jede zusätzliche Kiste verändert das Boot ein kleines Stück.
Und plötzlich stellten wir uns bei jedem Gegenstand dieselbe Frage:
Brauchen wir das wirklich?
Nicht irgendwann.
Sondern wirklich.
Während unserer Reise von Holland bis in die Türkei wurde uns nach und nach bewusst, wie wenig wir eigentlich wirklich brauchen.
Auf einem Boot bekommt jeder Gegenstand eine neue Bedeutung

Vor unserer Reise glaubte ich oft, ein Gegenstand nimmt einfach nur Platz weg.
Heute weiß ich:
Er kostet viel mehr.
Er muss verstaut werden.
Er muss sauber gehalten werden.
Man muss ihn wiederfinden.
Man trägt ihn tausende Seemeilen mit sich herum.
Und manchmal muss man ihn sogar warten, obwohl man ihn monatelang gar nicht benutzt.
Seit wir auf Maido leben, stelle ich mir deshalb bei jeder Anschaffung eine andere Frage.
Nicht:
Kann ich das irgendwann gebrauchen?
Sondern:
Möchte ich diesen Gegenstand wirklich über Jahre mit mir herumfahren?
Allein diese kleine Veränderung hat unglaublich viel verändert.
Weniger Besitz bedeutet für uns mehr Freiheit
Heute besitzen wir deutlich weniger als früher.
Und trotzdem fehlt uns nichts.
Im Gegenteil.
Ich empfinde unser Zuhause heute sogar als vollständiger.
Weil alles seinen Platz hat.
Weil ich fast nie etwas suchen muss.
Weil Maido in wenigen Minuten wieder ordentlich ist.
Weil Putzen schnell erledigt ist.
Und weil wir unsere Zeit nicht mehr mit Dingen verbringen, die wir eigentlich gar nicht brauchen.
Natürlich mussten wir unterwegs trotzdem nachrüsten.
Gerade weil wir als Segelanfänger gestartet sind.
Beim zweiten Refit in Gazipaşa kamen noch einige wichtige Anschaffungen dazu.
Ersatzteile.
Werkzeuge.
Sicherheitsausrüstung.
All die Dinge, die man erst versteht, wenn man wirklich auf dem Wasser lebt.
Und trotzdem versuchten wir immer, nur das mitzunehmen, was unser Leben tatsächlich einfacher macht.
Nicht komplizierter.
Ich glaube, genau das macht auf engem Raum den größten Unterschied.
Das Größte, was sich verändert hat, war nicht unser Besitz
Wenn ich heute auf unser früheres Leben zurückblicke, vermisse ich erstaunlich wenig.
Keinen größeren Kleiderschrank.
Keine Garage voller Dinge.
Keine Schränke, die bis oben gefüllt sind.
Dafür genieße ich heute Kleinigkeiten viel bewusster.
Den Kaffee am Morgen.
Die Ruhe im Hafen.
Das Wasser, das sanft gegen den Rumpf schlägt.
Den Moment, wenn ich einfach nur den Fischen unter unserem Boot zusehe.
Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht, dass Glück etwas ist, das man erreicht.
Heute fühlt es sich eher so an, als müsste man dafür zuerst Ballast loswerden.
Nicht nur in den Schränken.
Sondern auch im Kopf.
Minimalismus beginnt nicht beim Ausmisten
Ich glaube heute nicht mehr, dass Minimalismus bedeutet, möglichst wenig zu besitzen.
Für mich bedeutet er etwas ganz anderes.
Nur noch Dinge um sich zu haben, die das Leben wirklich bereichern.
Nicht beschweren.
Das können Werkzeuge sein.
Eine gute Kaffeemaschine.
Oder unsere Waschmaschine an Bord, auf die wir nicht mehr verzichten möchten.
Früher räumte ich ständig um.
Heute räume ich meistens nur etwas zurück an seinen Platz.
Minimalismus heißt für uns nicht Verzicht.
Sondern bewusst zu entscheiden, was bleiben darf.
Und was gehen kann.
Vielleicht suchen wir alle nach etwas anderem

Unsere Reise hat uns nicht zu perfekten Minimalisten gemacht.
Und das möchten wir auch gar nicht sein.
Aber sie hat uns gezeigt, dass Glück für uns nie von der Größe unseres Hauses oder von der Anzahl unserer Dinge abhing.
Vielleicht suchen viele Menschen nach dem nächsten Abenteuer.
Nach dem größeren Haus.
Dem neuen Auto.
Oder dem nächsten Reiseziel.
Wir dagegen suchen inzwischen nach etwas anderem.
Nach Ruhe.
Nach Leichtigkeit.
Nach Menschen, mit denen wir besondere Momente teilen können.
Und vielleicht beginnt genau dort Minimalismus.
Nicht bei dem, was wir besitzen.
Sondern bei dem, was wir loslassen.
Ich glaube nicht,
dass uns das Boot zu Minimalisten gemacht hat.
Es hat uns einfach gezeigt,
wie wenig wir wirklich brauchen,
um uns jeden Morgen aufs Neue zu Hause zu fühlen.
Wenn du unsere Reise schon länger begleitest, weißt du, dass wir nie nach dem nächsten Abenteuer gesucht haben. Wir suchen nach einem einfachen, bewussten Leben – und erzählen auf diesem Blog ehrlich von allem, was wir unterwegs lernen. Wenn dich genau diese Gedanken interessieren, findest du hier viele weitere Geschichten über das Leben auf unserem Katamaran.
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