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Die letzten Meilen Richtung Winterhafen – zwischen Freiheit, Zweifel und einer Küste, die uns nicht mehr loslässt

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 25. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Juli

Ankern vor Adrasan - Segeln Türkei


Wenn aus Abenteuer langsam Realität wird


Die letzten Meilen Richtung Winterhafen waren angebrochen.

Eigentlich hätten wir diese Etappe einfach genießen sollen.

Stattdessen wurden die Gedanken immer lauter.


Eigentlich wollten wir die türkische Küste noch intensiver vom Wasser aus erleben.

Noch einmal kleine Buchten entdecken, bevor der Winter kommt.


Alles fühlte sich plötzlich anders an.

Während Maido ruhig durch das Wasser glitt, tauchten ganz viele Fragezeichen auf.


Zum ersten Mal würden wir unseren Katamaran kranen lassen.

Wie würde Maido unten überhaupt aussehen?

Wartet schon die nächste teure Überraschung auf uns?


Und dann diese anderen Fragen:

War der Hafen wirklich die richtige Entscheidung?

Wie wird die Stimmung dort sein?

Werden wir uns wohlfühlen?

Wie legen wir dort an?

Wie läuft es mit dem Kranen?


???


Obwohl wir monatelang Pläne geschmiedet hatten, fühlte sich plötzlich alles unsicher an.


Vielleicht kennst du dieses Gefühl:

Man trifft eine Entscheidung voller Überzeugung — und kurz davor beginnen plötzlich die Zweifel.




Kleine Etappen entlang der türkischen Küste


Trotzdem überwog noch immer die Vorfreude auf das, was vor uns lag.

Wir lichteten erneut den Anker und beschlossen, nur noch kleine Schläge zu machen.


Unser erster Halt war die türkisblaue Gökkaya-Bucht.

Das Wasser dort ist durch die unterirdischen Quellen fast schon kühl und wirkt gleichzeitig unglaublich klar. Selbst nach Monaten auf dem Wasser gibt es Orte, die einen sofort entschleunigen.


Genau solche entspannten Etappen entlang der türkischen Küste teilen wir inzwischen auch mit Menschen, die das Leben auf einem Katamaran selbst erleben möchten.


Für die Nacht ankerten wir später vor Demre.

Am nächsten Morgen verstanden wir schnell, warum sich so viele Segelboote lieber tiefer in der geschützten Gökkaya-Bucht versteckt hatten.

In der Nacht hatte der Wind gedreht.

Die Wellen trafen uns plötzlich unangenehm von der Seite und Maido begann zu rollen wie eine Waschmaschine.


Schlaf?

Fast unmöglich.

Doch genau solche Nächte kannten wir inzwischen.


Früher hätte uns das wahrscheinlich komplett nervös gemacht.

Mittlerweile nahmen wir es erstaunlich gelassen.


Vielleicht, weil uns langsam bewusst wurde, dass sich dieses Abenteuer dem Ende einer großen Etappe näherte.


Berglandschaft der türkischen Küste aus unserem Katamaran

Zwischen Finike, Adrasan und Kemer – eine Küste voller Kontraste


Wir segelten weiter entlang der Küste, übernachteten vor Finike und erkundeten die Buchten zwischen Adrasan und Kemer.


Diese Landschaft hat uns wirklich überwältigt.

Die massiven Berge direkt am Meer.

Das satte Grün über dem dunklen Blau des Wassers.

Die kleinen Buchten, die fast unwirklich wirken.


Vom Boot aus verändert sich der Blick auf die Welt komplett.


Viele Orte, die wir früher mit dem Camper besucht hatten, wirkten plötzlich völlig neu.

Fast so, als würde das Meer noch einmal eine tiefere Seite dieser Küste zeigen.




Tourismus, Gulets und ein seltsames Gefühl


Doch je weiter wir Richtung Kemer kamen, desto stärker veränderte sich die Stimmung.


Plötzlich waren überall Gulets unterwegs.

Große Ausflugsboote voller Touristen.


Es störte uns nicht direkt.

Die Boote blieben meistens nur wenige Stunden und Platz zum Ankern fanden wir trotzdem immer.

Und dennoch fühlte sich dieses Bild seltsam an.

Denn bis dahin hatten wir die türkische Küste eher still erlebt.

Viele Orte wirkten Ende der Saison fast ausgestorben.

Gulets vor Adrasan Bucht in Türkei

Und hier?


Überall Menschen.

Musik.

Badestopps.

Leben.


Allein die riesige Bucht von Adrasan erinnerte uns irgendwann eher an einen überfüllten Parkplatz als an eine ruhige Ankerbucht.


Etwas weiter draußen lag dauerhaft ein großes Containerschiff.

Zuerst verstanden wir überhaupt nicht, warum ausgerechnet dort.


Bis wir am Abend beobachteten, wie mehrere Gulets längsseits an das Containerschiff gingen und ihre Schwarzwassertanks abpumpten.


Im Minutentakt legte ein Boot nach dem anderen an.

Fast routiniert.


Das dumpfe Geräusch der Pumpen kannten wir mittlerweile nur zu gut aus den Häfen,

in denen wir selbst unseren Schwarzwassertank entleert hatten.


Je länger wir zusahen, desto unangenehmer wurde das Gefühl.


Mitten vor dieser wunderschönen Bucht spielte sich ein Ablauf ab, über den wahrscheinlich kaum ein Tourist an Deck nachdenkt.


Was am Ende mit dem ganzen Abwasser passierte, wollten wir uns ehrlich gesagt lieber nicht genauer vorstellen.



Drei Tage Regen vor Kemer


Vor Kemer fanden wir schließlich die letzte halbwegs geschützte Bucht dieser Küste.


Denn wir wussten:

Bis Gazipaşa würden nur noch offene Ankerplätze vor uns liegen.


Etwa 90 Seemeilen noch bis zum Winterhafen.


Der angesagte Wind stand allerdings überhaupt nicht günstig für uns.


Was wir nicht erwartet hatten:

Dass wir dort ganze drei Tage festsitzen würden.


Jeden Tag zogen dunkle Wolken über die Berge und brachten heftige Regenschauer mit sich.

Der Regen prasselte so laut auf Maido, dass man manchmal sein eigenes Wort kaum verstand.

Es donnerte und trommelte in jede Ecke des Bootes, während draußen alles grau und verschwommen wurde.


Also verkrochen wir uns nach innen.


Wir surften im Internet, spielten Tavla, planten die nächsten Wochen und begannen langsam aufzuräumen.


Irgendwie veränderte sich dabei auch die Stimmung an Bord.


Nicht traurig.

Aber nachdenklicher.


Vielleicht, weil uns langsam bewusst wurde, dass unsere erste große Saison auf Maido bald zu Ende geht.


Dass aus diesem endlosen Abenteuer plötzlich langsam Alltag und Planung wurden.


Und trotzdem hatte dieser Regen auch etwas Gutes.

Zum ersten Mal seit langer Zeit glänzte Maido von außen wieder wie neu — ganz ohne unser Zutun.


Regen mit dunklen Wolken vor Kemer - Segeln Türkei

Die letzten Meilen bis Gazipaşa


Während draußen der Regen weiter gegen Maido trommelte und die Berge hinter den grauen Wolken verschwanden, merkten wir immer deutlicher, dass sich diese Reise langsam verändert.


Die langen Sommertage vor Anker.

Das spontane Weitersegeln.

Dieses Gefühl von grenzenloser Freiheit.


All das rückte plötzlich ein Stück weiter weg.


Vor uns lagen nur noch wenige Meilen bis Gazipaşa — und trotzdem hatten wir das Gefühl, dass dort weit mehr auf uns wartet als nur ein Winterhafen.


Was uns schließlich in Gazipaşa erwartete, sollte unsere Vorstellung vom Winterhafen komplett verändern.







Erst wenige Tage zuvor hatten wir in der Türkei einklariert und die Reise entlang der türkischen Küste begann. Die gemeinsame Zeit mit Dennis hat uns gezeigt, wie besonders es ist, diese Momente mit anderen Menschen zu teilen.



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