Von Korfu nach Antipaxos: Ankern lernen zwischen Müdigkeit, Weite und Sternenhimmel
- Barbora

- 26. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Nach der unruhigen Nacht weiter Richtung Korfu
Wir merkten schnell, dass Ankern in Griechenland anders ist als alles, was wir bisher kannten.
Nach der mystischen, fast schlaflosen Nacht mit Böen, die unseren Maido in jede erdenkliche Richtung drehten, waren wir müde.
Sehr müde.
Aber noch eine Nacht in dieser Bucht?
Das konnten wir uns nicht vorstellen.
Der Wind stand gut.
Also lichteten wir den Anker und segelten weiter – Richtung Korfu.
Ein Blick in die Marine-Traffic-App zeigte schnell: Die Buchten an der Ostseite waren bereits gut gefüllt. Zu gut.
Also entschieden wir uns für die Westseite der Insel.
Afionas – wunderschön, aber noch nicht unser Ort
Die erste Nacht verbrachten wir in Afionas. Eine wunderschöne Bucht mit vielen Ankermöglichkeiten.

Großzügig.
Ruhig.
Eigentlich ein Ort, an dem man bleiben möchte. Länger.
Doch das Meer empfing uns kühl.
Selbst mittags, in der prallen Sonne, fühlte sich das Wasser eher nach kurzer Erfrischung als nach entspanntem Schwimmen an.
Also zogen wir am nächsten Morgen weiter – mit der Hoffnung, noch ruhigere, wärmere Plätze zu entdecken.
Die Bedingungen waren perfekt.
Sanfte Welle.
Guter Wind.
Und so entschieden wir spontan, diese Chance zu nutzen und direkt weiter zur nächsten Insel zu segeln: Paxos, genauer gesagt in die Bucht von Lakka.
Schon auf dem Weg dorthin spürten wir, wie sich etwas in uns entspannte.
Dunkelblaues Wasser.
Grüne Hügel.
Eine friedliche, fast heilende Stimmung – nach all dem Chaos in Sizilien und Kalabrien.
Als wäre das nicht genug, tauchte plötzlich eine Schildkröte auf. Sie schwamm ruhig, nur wenige Meter neben unserem Boot vorbei. Ein kurzer Moment. Und doch einer, der bleibt.

Lakka und das Gefühl von zu viel
Aus der Ferne sahen wir bereits, wie mehrere Segelboote denselben Kurs nahmen.
Lakka war kein Geheimtipp. Das wussten wir.
Aber was uns dort erwartete, übertraf unsere Vorstellung.
Boote ankerten sogar vor der Bucht.
Eng an eng.
Dazu die endlose Schlange weiterer Segelboote hinter uns.
Ein Déjà-vu. Balearen.
Zu voll.
Zu eng.
Zu laut.
Diesmal fühlten wir uns aber nicht hilflos und ausgeliefert.
Wir legten eine kurze Pause ein, sammelten uns – und segelten einfach weiter.
Nah an der Küste entlang.
So nah, dass wir die zerklüftete Steinküste bewundern konnten.
So nah, dass wir immer wieder in kleine Buchten blickten – suchend, hoffend.

Doch jedes Mal machte uns die Tiefe einen Strich durch die Rechnung.
Unsere Ankerkette ist 40 Meter lang.
Und um nachts ruhig zu schlafen, ankern wir ungern tiefer als acht Meter.
Bis Griechenland hatten wir nie das Gefühl gehabt, mehr Kette zu brauchen.
Jetzt lernten wir es.
Antipaxos – zum ersten Mal mit Landleine
Erst nach fast zehn Stunden fanden wir schließlich einen Platz: Antipaxos, eine schmale, enge Bucht. Eigentlich ideal zum freien Schwingen – wenn da nicht so viele Boote gewesen wären.
Es war die letzte Bucht vor unserem geplanten Sprung nach Lefkada.
Die Sonne sank bereits Richtung Horizont.
Weiterfahren kam nicht mehr infrage.
Also blieben wir.
Und machten etwas, das wir bis dahin noch nie getan hatten: eine Landleine.
Die Bucht war voll.
Unser Adrenalin hoch.
Wir setzten den Anker.
Zogen ihn wieder ein.
Noch einmal.
Und noch einmal.
Drei. Vielleicht vier Versuche, bis Abstand, Tiefe und Halt stimmten.
Ich wusste, dass der Vorbesitzer von Maido uns neben den normalen Festmachleinen auch eine stärkere hinterlassen hatte.
Ich wusste nur nicht mehr, wo.
Irgendwann gelang es uns.
Maido lag ruhig.
Eine Leine zum Ufer.
Der Anker hielt.
Der Wind ließ zum Abend hin nach.
Wir beobachteten das Boot noch lange – lauschend, prüfend, wachsam.
Trotz der vielen Boote, größtenteils Charteryachten, lag eine überraschend friedliche Stimmung über der Bucht.
Kein Chaos.
Kein Stress.
Nur leises Schaukeln.
Und gerade, als wir völlig erschöpft ins Bett fielen, spannte sich über uns ein klarer, weiter Sternenhimmel.
Ein stiller Abschluss.
Für einen langen, lehrreichen Tag.
Die Reise beginnt anders als geplant
In dieser Nacht verstanden wir etwas, ohne es benennen zu müssen.
Dass es nicht mehr darum geht, Etappen zu schaffen.
Oder Orte abzuhaken.
Die Reise beginnt dort, wo wir anfangen, langsamer zu werden.
Wo Entscheidungen leise fallen.
Und wo wir nicht mehr fragen, ob wir hier richtig sind –
sondern merken, dass wir es sind.
Danke fürs Lesen.
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