Zwischen Ruß, Wind und Stille: Unsere erste Passage durch Griechenland
- Barbora

- 12. März
- 3 Min. Lesezeit

Morgens auf Antipaxos – Ruß auf dem Deck und Fragen in der Luft
Am nächsten Morgen wurden wir von der aufgehenden Sonne geweckt.
Sie fiel durch die Fenster, weich und warm, und legte sich über den Salon.
In der kleinen, überfüllten Bucht von Antipaxos lag eine fast unwirkliche Stille.
Noch niemand war wach.
Kein Klappern. Kein Motor. Kein Stimmengewirr.
Nur wir. Und dieses kurze Gefühl, dass der Tag uns noch ganz gehört.
Manchmal fühlt sich ein Morgen auf dem Boot an wie ein Versprechen – noch bevor man weiß, was der Tag bringt.
Beim morgendlichen Check dann die nüchterne Erkenntnis:
Wir mussten bald zur nächsten Tankstelle.
Der Diesel wurde knapp.
Als ich mir den ersten Kaffee machte und die Salontür öffnete, traf mich der nächste Moment völlig unerwartet.
Unser Maido war schwarz.
Nicht ein bisschen.
Nicht staubig.
Sondern richtig – mit feinem Ruß überzogen, der an den Fingern klebte.
Woher kam das?
Für einen Moment dachten wir, etwas sei mit uns passiert. Mit dem Motor. Mit dem Boot.
Erst später erfuhren wir, dass in der Region um Patras zu dieser Zeit große Waldbrände wüteten.
Der starke Wind hatte die Partikel weit hinaus aufs Meer getragen.
Plötzlich war klar:
Das hier war kein lokales Problem.
Das war Realität. Weit weg – und doch ganz nah.
Mit Salzwasser versuchten wir, Maido so gut es ging abzuwaschen.
Perfekt wurde es nicht.
Aber sauber genug, um weiterzufahren.
Segeln nach Lefkada – Wind, Weite und bekannte Erinnerungen
Unser nächstes Ziel: Vasiliki auf Lefkada.
Ein Ort, den wir schon kannten – allerdings von früheren Reisen mit dem Camper.
Der Wind stand perfekt.
Also setzten wir die Segel und machten uns auf die rund 44 Seemeilen lange Strecke.
Gemütlich.
Weit draußen.
Mit diesem Gefühl von Raum, das man nur auf dem Wasser bekommt.
Vasiliki ist unter Windsurfern legendär.
Die hohen Berge rund um die Bucht sorgen für sogenannte katabatische Winde – Fallwinde, die hier regelmäßig ordentlich durchziehen.
Wir wussten das.
Und trotzdem war es beeindruckend.
Kurz bevor wir in die Bucht einbogen, bargen wir vorsichtshalber die Segel.
Zum Glück.
Kaum drin, bekamen wir 30 Knoten Wind direkt von vorn.
Es dauerte eine Weile, bis wir unseren Ankerplatz erreicht hatten.

Überall Boote.
Segelboote. Katamarane.
Dazwischen unzählige Windsurfer, die scheinbar mühelos über das Wasser flogen.
Wir kamen spät am Abend an.
Gerade rechtzeitig.
Mit dem Sonnenuntergang verschwanden auch die letzten Surfer.
Und plötzlich war sie da – diese andere Seite von Vasiliki.
Hohe, majestätische Berge.
Glasklares, ruhiges Wasser.
Und trotz der vielen Boote eine unerwartete Ruhe.
Diesel auf Griechisch – Geduld inklusive
Noch am Abend nahmen wir Kontakt mit dem Hafenmeister von Port Vasiliki auf.
Am nächsten Morgen liefen wir in den kleinen Hafen ein, um zu tanken.
Eigentlich eine Sache von 30 Minuten, dachten wir.
Andere Länder.
Andere Sitten.
In Griechenland haben viele Häfen keine eigene Tankstelle.
Der Diesel kommt per LKW.
Dass das dauern kann, wussten wir.
Dass es so lange dauern kann, nicht.
Wir legten gegen 10 Uhr an.Und warteten.
In der Zwischenzeit:
Wasser bunkern.
Einkaufen.
Frühstücken.
Plaudern mit anderen Bootsbesitzern.
Zeit bekam hier eine andere Bedeutung.
Warten gehört auf dem Wasser genauso dazu wie Wind.
Erst am Nachmittag war es so weit.
Wir tankten.
Und liefen wieder aus.
Ionisches Meer – Segeln, wie man es sich erträumt
Trotz einer eher verhaltenen Wettervorhersage erwartete uns draußen ein Geschenk.
Perfekter Wind.
Kaum Welle.
Beide Segel voll gesetzt.
Jetzt verstanden wir noch besser, warum das Segeln zwischen den ionischen Inseln so beliebt ist.
Diese Bedingungen sind selten.
Und kostbar.
Zahlreiche Inseln.
Wunderschöne Natur.
Viele davon unbewohnt.
Wir wollten nicht noch eine Nacht zwischen so vielen Booten und Windsurfern verbringen.
Also segelten wir weiter – hinein in den Golf von Patras, aber nur ein Stück.
Unser Ziel: eine kleine, einsame Bucht bei Nisída Lamprínos.
Nisída Lamprínos – wenig genug für alles
Unbewohnte Insel.
Kleine Bucht.
Guter Ankergrund.

Wir ankerten.
Kochen frischen Fisch mit Salat.
Setzen uns ins Cockpit.
Sonnenuntergang.
Keine Menschen.
Keine Boote.
Nur wir.
Die Natur.
Und dieses tiefe, zufriedene Gefühl.
Wie wenig der Mensch eigentlich braucht, um Glück zu spüren.
Und wie selten man sich das im Alltag erlaubt.
So magisch endete unsere erste Passage durch Griechenland.
Danke fürs Lesen.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.
Vielleicht war es genau diese Mischung aus Wind, Warten und Unsicherheit, die uns wieder gezeigt hat, wie präsent Angst beim Segeln sein kann.
Erst in dieser einsamen Bucht wurde uns wieder bewusst, wie anders Stille auf dem Wasser ist.
Dass wir heute ruhiger mit solchen Situationen umgehen, war am Anfang unserer Reise noch undenkbar.
Wie wir durch Sardinien und Sizilien gesegelt sind, kannst du hier nachlesen.


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