top of page

Ankunft in Gazipaşa – das Ende unserer ersten großen Segelsaison

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 2. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Juli


Maido Katamaran im Hafen von Gazipasa in der Türkei


Wenn das Ziel plötzlich näher rückt


Der Regen in Kemer nagte langsam an unserer Stimmung.


Eigentlich waren wir längst nicht mehr dort.

Nicht gedanklich.

Nicht emotional.


Irgendwo zwischen Erschöpfung, Vorfreude und Ungeduld warteten wir nur noch darauf, endlich anzukommen.


Dabei stellte ich mir immer wieder dieselbe Frage:

Warum fühlst du dich eigentlich so?


Du lebst doch gerade einen Traum.


Du segelst durch das Mittelmeer.

Du wachst in traumhaften Buchten auf.


Und trotzdem war da diese Unruhe.

Diese vielen offenen Fragen.

Wie wird unser Winterhafen sein?

War es die richtige Entscheidung?

Wie wird Maido nach über 4.000 Seemeilen unter der Wasserlinie aussehen?

Und was erwartet uns überhaupt dort?


Antworten gab es keine.

Noch nicht.


Also warteten wir.

Drei lange Regentage.

Bis die Sonne endlich zurückkam.




Die letzten Etappen entlang der türkischen Küste


Kaum hatte der Regen aufgehört, lichteten wir den Anker.


Unser Ziel war inzwischen klar:


Gazipaşa.


Unser Winterhafen.


Die Küste vor uns versprach allerdings keine wirklich geschützten Ankerplätze.

Eine Nachtfahrt wollten wir uns nach den vergangenen Monaten nicht mehr antun.


Es war genug.


Genug Abenteuer.

Genug Unsicherheit.

Genug Wetterfenster.


Wir wollten einfach ankommen.


Also segelten wir zunächst Richtung Side.

Durch den Golf von Antalya.


Die Nacht verlief überraschend ruhig. Wind und Welle ließen zum Abend hin nach und weit und breit war kaum ein anderes Boot zu sehen.


Side wirkte vom Wasser aus ganz anders, als wir es von Land kannten.

Die berühmten Ruinen verschwanden beinahe hinter den langen Hotelreihen entlang der Küste.

Abends glitzerten die Lichter zwar wunderschön am Ufer, doch der besondere Zauber der Altstadt blieb vom Wasser aus fast verborgen.


Längst nicht so spektakulärer, als wir es aus unseren Camperzeiten in Erinnerung hatten.




Die letzte Nacht vor dem Ziel


Am nächsten Morgen ging es direkt weiter.

Nur noch 35 Seemeilen bis Alanya.

Dort ließen wir den Anker direkt vor der beeindruckenden Burg fallen.

Bis spät in die Nacht herrschte reger Betrieb.


Gulets fuhren Touristen hinaus aufs Meer und kehrten erst Stunden später zurück.

Musik schallte aus allen Richtungen.

Fischerboote kreuzten zwischen den Ausflugsschiffen.

Ein ständiges Kommen und Gehen.


Und trotzdem wurde es irgendwann ruhig.

Ankern vor Alanya Burg mit Katamaran - Segeln Türkei

Als die letzten Boote verschwunden waren, spiegelten sich die Lichter der Burg auf der Wasseroberfläche.

Über uns funkelten die Sterne.


Es war einer dieser stillen Momente, in denen plötzlich alles wieder Sinn ergibt.


Am nächsten Morgen meldete sich Maido noch einmal.

Die Ankerwinde streikte plötzlich beim Hochholen des Ankers.


Immer wieder stoppte sie.

Immer wieder mussten wir warten.

Mit Geduld bekamen wir den Anker schließlich frei.


Selbst auf den letzten Meilen erinnerte uns Maido noch einmal daran, dass die Winterliste längst nicht vollständig war.




Ankunft in Gazipaşa


Dann kam der letzte Schlag.


Vorbei an den endlosen Hotelanlagen von Alanya.

Vorbei an den letzten Buchten.

Vorbei an den letzten Meilen dieser Saison.


Erst wenige Wochen zuvor hatten wir in der Türkei einklariert und unsere Reise entlang der türkischen Küste begonnen.


Und plötzlich lag Gazipaşa vor uns.


Wir hatten es tatsächlich geschafft.


Vor meinem inneren Auge liefen Bilder ab.


Unser erster Tag in Holland.

Die Unsicherheit beim Ablegen.

Die Nächte vor Anker.

Die Tage voller Euphorie.

Die Momente, in denen wir uns fragten, ob wir das alles wirklich schaffen.


Vor fünfeinhalb Monaten waren wir als absolute Anfänger in den Niederlanden gestartet.

Heute liefen wir mit unserem eigenen Katamaran in unseren ersten Winterhafen ein.

Wer unsere ersten Tage und die Unsicherheit beim Ablegen verpasst hat, findet hier den Beginn unserer Reise.


Die Fahrt in Richtung Hafen verlief ungewöhnlich still.

Wir sprachen kaum.

Jeder hing seinen Gedanken nach.


Zu viele Bilder.

Zu viele Erinnerungen.

Zu viele Erlebnisse.

Dazu gehörten auch die besonderen Tage mit unserem ersten Besuch an Bord.


Alles fühlte sich gleichzeitig unglaublich weit weg und doch ganz nah an.

Fast surreal.


Der Hafen lag ruhig vor uns. Keine Wellen mehr. Kein Ankerplatz suchen. Keine Wetter-App.

Zum ersten Mal seit Monaten wussten wir genau, wo wir morgen aufwachen würden.


Kurz vor der Hafeneinfahrt bereiteten wir Fender und Festmacher vor.

Ein letztes Mal gingen wir das Manöver gemeinsam durch.

Denn eines hatten wir bisher noch nie gemacht:


Anlegen mit Muring-Leinen.


Wieder etwas Neues.

Wieder etwas, das wir unterwegs lernen mussten.


Als wir den Hafen anfunkten, kam uns sofort ein kleines Serviceboot entgegen.


Die Marineros halfen uns beim Anlegen.

Ruhig.

Professionell.

Unkompliziert.


Und ehe wir es richtig realisierten, lag Maido fest an ihrem Platz.

Geschafft.


Die Mitarbeiter konnten kaum glauben, dass wir noch nie zuvor mit Muring-Leinen gearbeitet hatten.

Wir mussten selbst darüber schmunzeln.

Denn obwohl wir uns oft noch wie Anfänger fühlten, waren wir längst keine mehr.


Nachdem alles fest war und Maido sicher im Hafen lag, fiel die Anspannung der vergangenen Monate schlagartig von uns ab.


Hafen in Gazipasa Türkei - Winterhafen von Katamaran Maido

Ich fühlte mich plötzlich schwer.

Leer.

Und gleichzeitig unendlich erleichtert.


Wir gingen an Bord nach unten, fielen ins Bett und schliefen erst einmal stundenlang.


Zum ersten Mal seit Monaten mussten wir am nächsten Morgen nirgendwo mehr hin.


Und genau dort begann die vielleicht unerwartetste Erfahrung unserer gesamten Reise.


Denn das Ankommen fühlte sich ganz anders an, als wir es uns vorgestellt hatten.


Davon erzähle ich dir im nächsten Artikel.








Auf dieser Reise haben wir gelernt, dass Segeln nicht Perfektion bedeutet. Sondern gemeinsam Lösungen zu finden, Ruhe zu bewahren und die besonderen Momente zu genießen. Genau diese Erfahrungen teilen wir heute auch mit Menschen, die uns für einige Tage an Bord begleiten möchten.

Kommentare


bottom of page