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Wie wir mit nur 40 Metern Kette von Gibraltar bis in die Türkei gesegelt sind – und was wir dabei gelernt haben

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • vor 5 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Mit nur 40 Metern Kette von Gibraltar bis in die Türkei – fast ausschließlich vor Anker.

Klingt verrückt?

Dachten wir auch.

Aber genau das ist unser Alltag geworden: frei stehen statt Hafen, Buchten statt Beton. Und wer im Mittelmeer ankert, weiß: Das ist mit kurzer Kette alles andere als einfach.


Wir mussten lernen, perfekte Ankerplätze zu finden, den Anker richtig einzufahren, Wetter und Schwell zu lesen und unsere Route an die Kettenlänge anzupassen.


Mit der Zeit haben wir unsere ganz eigene Methode entwickelt – eine Mischung aus Erfahrung, Bauchgefühl, Apps und viel Beobachtung.


Damit das mit nur 40 Metern Kette funktioniert, haben wir uns über die Monate ein klares System erarbeitet. Kein Hexenwerk – aber viele kleine Schritte, die darüber entscheiden, ob du ruhig schläfst oder nachts draußen im Dunkeln neu ankern musst⚓


Delta Anker bei Katamaran Maido

1. Die Ankerplatz-Suche: Navily ist unser zweites Zuhause


Die Suche beginnt bei uns immer gleich – Navily öffnen.


Die App funktioniert für uns wie „Park4Night für Boote“ und ist Gold wert, wenn man neu in einer Region ist.


Worauf wir achten:

  • Ankergrund: Sand und Schlamm = beste Freunde.

  • Seegras: vermeiden – wegen Halt und der Umwelt zur Liebe.

  • Stein: funktioniert manchmal, aber die Erfolgsquote ist… nennen wir es höflich „sportlich“.

  • Windrichtung & Schwell: nicht nur die Vorhersage, sondern auch, wie es in der Realität gerade aussieht.



Was viele unterschätzen:

Der Ankerplatz kann perfekt bewertet sein – aber wenn du 15 Meter tief ankern musst und nur 40 Meter Kette hast, ist der Platz für dich einfach nicht geeignet.




2. Die 40-Meter-Regel: Unsere Ankertiefen


Damit wir nachts ruhig schlafen können, halten wir uns fast immer an folgende Tiefen:

→ 3 bis 8 Meter

Das ist unser Sweet Spot.

Warum?

Weil die Kettenlänge entscheidend ist. Eine Faustformel:

5–7 x Wassertiefe als Kette, je nach Wind und Welle.

Mit 40 Metern Kette bleiben für uns meist realistisch 30–35 Meter, die wir wirklich draußen haben können.


Je länger die Kette, desto flacher der Zug am Anker – und desto fester hält er. Mit 40 Metern hast du weniger Spielraum, besonders in tiefen Buchten. Deshalb bleiben wir meist zwischen 3–8 Metern Wassertiefe.


Im Atlantik achten wir zusätzlich auf:

  • Gezeiten

  • steigendes Wasser in den nächsten Stunden


Das fließt bei uns immer in die Kettenberechnung ein.




3. Sicherheit zum Nachbarn: Schwoikreise richtig einschätzen


Die Mittelmeerbuchten sind voll, manchmal sehr voll.

Wir achten daher immer auf:

  • Abstand zu anderen Booten

  • deren Kettenlänge

  • deren Schwoikreis - (der Radius, in dem das Boot um den Anker schwenkt)


Man kann es nicht millimetergenau messen, aber mit gesundem Menschenverstand funktioniert es ziemlich gut.


Was du immer bedenken musst:

  • Wind kann nachts drehen

  • Strömung kann sich ändern

  • bei Windstille drehen manchmal alle Boote chaotisch und unkoordiniert


Deshalb lieber etwas mehr Abstand als zu wenig.




4. Unser Ankermanöver – einfach, klar und 1000 Mal bewährt


Wenn wir den Platz gefunden haben, geht’s los:


1. Anker runter

MAIDO hat zum Glück eine elektrische Winde mit Fernbedienung.


2. Langsam rückwärts fahren

Währenddessen Kette geben, bis etwa ¾ der geplanten Kettenlänge draußen ist.


3. Anker einfahren

Mit etwas Gas rückwärts – so lange, bis MAIDO wirklich steht.


4. Letztes Viertel der Kette rauslassen

5. Hanepott befestigen

Den Hanepott (zwei Entlastungsleinen) setzen wir erst, wenn die gewünschte Kettenlänge draußen ist. Dadurch liegt die Zugkraft nicht auf der Ankerwinde, sondern verteilt sich sauber über die Klampen.


6. Nochmal Rückwärtsgang

„Safe is safe.“Wir wählen uns einen Punkt an Land und checken, ob wir stehen.


Ankern mit Hanepott vor der Küste Mallorca

5. Kontrolle danach: Beobachten, Ankeralarm, Tauchen


Direkt nach dem Manöver:

  • Ankeralarm-App aktivieren

    • Punkt setzen

    • Radius einstellen

  • Eine Stunde beobachten

    • Boot

    • Wetter

    • Nachbarn

    • mögliche Hindernisse


Und:

Wir gehen oft tauchen, um den Anker zu checken.

Der Blick unter Wasser gibt einfach Sicherheit.

Mittlerweile vertrauen wir unserem Anker mehr als vielen Bojen oder Festmacherleinen.




6. Die Realität: 100 % Sicherheit gibt’s nie


Wir hatten nur zwei Situationen (beide in der Türkei), in denen der Anker nicht richtig hielt – einmal schleiften wir nachts bei ca. 25 Knoten Wind rund 40 Meter.


Da hilft nur eins:

Anker hoch – neu setzen. Keine Diskussion.




7. Warum wir trotzdem lieber draußen ankern


Für uns bedeutet Ankern:

  • Freiheit

  • Ruhe

  • Natur

  • Seele baumeln lassen

  • keine Hafengeräusche, keine Hektik, keine Liegegebühren

  • Meer statt Beton


Es ist unser absoluter Lieblingsort – und das Gefühl, alleine in einer Bucht aufzuwachen, macht alles wett.




8. Und ja – wir werden bald unsere Kette verlängern


Spätestens ab Griechenland haben wir gemerkt, dass die Tiefen oft 10–20 Meter betragen.

Mit längerer Kette gäbe es:

  • mehr Wahlmöglichkeiten

  • mehr Sicherheit

  • weniger Stress


Deshalb: Upgrade kommt!




Unser Fazit


Ankern ist für uns nicht nur eine Technik. Es ist Freiheit. Ruhe. Und ein Stück von dem Leben, das wir gesucht haben.


Wenn du wissen willst, wie wir in überfüllten Buchten trotzdem ruhige Plätze finden – schau in unsere nächsten Beiträge rein.



👉wie wir durchs Mittelmeer ankern

👉einer der schönsten Momenten, die wir in einer Ankerbucht erlebten - unfassbare Stimmung garantiert!

👉das ist nicht die Karibik - das ist das Mittelmeer - unfassbar schöne Natur


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