Segeln entlang der türkischen Mittelmeerküste – zwischen Einsamkeit, Freiheit und unserem ersten Ankerdrama
- Barbora

- 18. Juni
- 4 Min. Lesezeit

Die türkische Mittelmeerküste kennen wir eigentlich schon in- und auswendig.
Zumindest dachten wir das.
Seit Jahren reisen wir mit unserem Camper durch diese Gegend.
Wir haben verschlafene Orte entdeckt, lebendige Küstenstädte, verlassene Ruinen und versteckte Buchten. Immer begleitet von dieser besonderen Mischung aus türkischer Gelassenheit und ehrlicher Gastfreundschaft.
Doch mit Maido fühlte sich plötzlich alles anders an.
Vom Wasser aus wirkte diese Küste größer.
Wilder.
Ursprünglicher.
Fast so, als würde man einen vertrauten Ort zum ersten Mal wirklich sehen.
Vielleicht verändert sich ein Ort gar nicht so sehr.
Vielleicht verändert man sich selbst.
Abschied von Dennis – und plötzlich ist da wieder Stille
Nach dem Abschied von Dennis lagen noch etwas über 200 Seemeilen bis zu unserem Winterhafen in Gazipaşa vor uns.
Der Sommer neigte sich langsam dem Ende zu und zum ersten Mal seit langer Zeit hatten wir nicht mehr das Gefühl, irgendwo schnell ankommen zu müssen.
Die gemeinsame Zeit zu dritt hatte unsere Reise stärker verändert, als wir erwartet hätten.
(→ Link zum Dennis-Artikel)
Uns wurde klar,
wie sehr wir diese besonderen Momente inzwischen gerne
mit anderen Menschen teilen möchten.
Und gleichzeitig war da plötzlich wieder diese Ruhe auf dem Wasser.
Diese Stille, die manchmal heilsam wirkt.
Und manchmal eben auch einsam.
Segeln entlang der türkischen Küste Richtung Kalkan
Von Fethiye aus legten wir früh am Morgen ab.

Ziel: Kalkan.
Etwa 40 Seemeilen entlang der türkischen Küste.
Die Bedingungen waren perfekt.
Leichter Wind.
Ruhige Welle.
Und eine Landschaft, die uns stundenlang begleitete.
Wir segelten vorbei an den berühmten Klippen hinter Ölüdeniz und entlang des endlosen Strandes von Patara.
Vom Meer aus erinnerte uns diese Kulisse fast an die portugiesische Atlantikküste. Kilometerlange Strände, rau und offen, ohne sichtbares Ende.
Ganz anders, als wir es aus unseren Camperzeiten kannten.
Damals haben wir diese Orte vom Land aus entdeckt.
Jetzt erlebten wir sie aus einer völlig neuen Perspektive.
Ankern in Kalkan – zwischen Ruhe und Einsamkeit
In Kalkan entschieden wir uns bewusst gegen die Nähe zur Stadt.
Stattdessen ankerten wir weit draußen in einer ruhigen Bucht.
Keine Straßen.
Keine Häuser.
Kein Lärm.
Am Abend glitzerten die Lichter der Stadt nur noch in der Ferne, während es um uns herum vollkommen still wurde.
Und genau in diesem Moment fühlten wir plötzlich beides gleichzeitig:
Dankbarkeit und Einsamkeit.
Gerade nach den stillen Tagen auf Astypalea fühlte sich diese Ruhe plötzlich anders an.
Die Zeit mit Dennis hatte uns deutlicher gezeigt,
wie schön es ist, solche Erlebnisse gemeinsam zu teilen —
und nicht nur für sich zu behalten.
Genau diese gemeinsamen Momente auf dem Wasser machen unsere Reise inzwischen so besonders.
Kaş – einer unserer Lieblingsorte an der türkischen Riviera
Wir blieben noch eine weitere Nacht in Kalkan, bevor es weiter Richtung Kaş ging.

Zu unserer Freude ergatterten wir dort noch eine der wenigen freien Bojen.
Ende September sind die Tage an der türkischen Mittelmeerküste immer noch heiß,
doch nachts wird die Luft angenehm kühl.
Kaş gehört seit Jahren zu unseren Lieblingsorten.
Klein, lebendig und irgendwie eine besondere Mischung aus griechischer Leichtigkeit und türkischer Dynamik.
Erst wenige Tage zuvor hatten wir in der Türkei einklariert und merkten schnell, wie anders sich diese Küste vom Wasser aus anfühlt.
Trotzdem war selbst Ende September noch viel los.
Nach kurzer Zeit merkten wir wieder, dass wir uns inzwischen auf dem Wasser wohler fühlen als mitten im Trubel.
Also verbrachten wir die meiste Zeit auf Maido,
schmiedeten langsam Pläne für den Winter
und kümmerten uns um die nächsten Schritte.
Nach über 4000 Seemeilen war klar:
Unser Katamaran braucht Pflege.
Und langsam mussten wir entscheiden, wo unsere Reise für diesen Winter eine Pause einlegen würde.
Kekova und die versunkene Stadt – ein seltsames Gefühl beim
Ankern
Zu dieser Jahreszeit begegnet man in dieser Gegend nur noch wenigen Seglern.
Und genau deshalb wollten wir unbedingt noch nach Kekova.
Die versunkene Stadt,
die türkisfarbenen Buchten
und diese besondere Stimmung zwischen Geschichte und Natur hatten uns schon lange fasziniert.
Wir ankerten schließlich in einer geschützten Bucht vor Kaleüçağız.
Eigentlich sah alles perfekt aus.
Und trotzdem fühlte sich sofort etwas seltsam an.
Das Wasser war trüb vom aufgewirbelten Schlamm und ich konnte den Anker nicht kontrollieren.
Es war kein dramatisches Gefühl.
Eher dieses leise Bauchgefühl, dass etwas nicht ganz stimmt.
Auf dieser Reise haben wir gelernt, solche Momente ernst zu nehmen.
Auch wenn man sie noch nicht erklären kann.
Mitten in der Nacht – unser erster Ankeralarm auf der Reise
Mitten in der Nacht frischte der Wind plötzlich auf.
Dann der Alarm.
Ein schrilles Geräusch riss uns aus dem Schlaf.
Ein Blick aufs Handy genügte:
Wir waren bereits über 40 Meter geschleppt.
Draußen peitschte der Wind durch die Bucht.
Im Licht unserer Taschenlampen sahen wir andere Boote, die ebenfalls versuchten neu zu ankern.
Wir waren nicht die Einzigen.
Die Situation wurde schnell unangenehm.
Wenn wir einfach nur mehr Kette gegeben hätten, wären wir der steinigen Küste gefährlich nahe gekommen.
Also entschieden wir uns mitten in der Nacht neu zu ankern.
Trotz Dunkelheit konnten wir die Abstände mit der Taschenlampe gut einschätzen.
Als der Anker erneut fiel, grub er sich sofort tief ein.
Diesmal hielt er.
Das war der erste Moment auf unserer gesamten Reise,
in dem unser Anker wirklich nicht gehalten hatte.
Vielleicht war genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Nacht:
Dass man auf See oft viel früher spürt,
wenn etwas nicht stimmt,
als man es sich selbst eingestehen will.
Danke fürs Lesen.
Unser erster Ankeralarm sollte nicht die letzte unerwartete Nacht auf dieser Reise bleiben.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.



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