Ankommen in Sizilien: Glücksrausch, Schaukelchaos und die Frage, wie es weitergeht
- Barbora

- 8. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Segeln entlang der sizilianischen Küste

Völlig entkräftet.
Aber absolut überglücklich.
So sind wir mittags in der Bucht von San Vito Lo Capo angekommen.
Die Sonne stand hoch, das Wasser war kristallklar – dieses unglaubliche Türkis, das man kaum beschreiben kann. Gegenüber ragte ein massiver Berg in den Himmel, majestätisch und irgendwie einschüchternd. Erst später erfuhren wir, dass hier vor gar nicht allzu langer Zeit ein Vulkan ausgebrochen war.
Willkommen in Sizilien.
Nach dem windigen, rauen Sardinien fühlte sich das hier wie ein kompletter Szenenwechsel an:
hohe Berge, sattes Grün, warme Farben – einfach malerisch.
Wir waren sofort verzaubert.
Und ehrlich gesagt: auch ein bisschen erleichtert, endlich wieder ruhig zu liegen.
Kurze Etappe, große Hoffnung: Mondello
Direkt am nächsten Tag segelten wir weiter – nur etwa 30 Seemeilen – in die große Bucht von Mondello, nahe Palermo.

Und wir hatten Glück.
Richtig Glück.
In dieser riesigen Bucht lagen gerade einmal vier Segelboote vor Anker. Sommerferien hin oder her – das fühlte sich fast unwirklich an.
Die Wettervorhersage versprach für die nächsten zwei Tage Gegenwind, aber die Bucht wirkte gut geschützt. Also beschlossen wir zu bleiben.
Kurz durchschnaufen.
Endlich mal ankommen.
Tja.
Die erste Nacht belehrte uns eines Besseren.
Wenn Ankern sich wie Segeln anfühlt
Der Wind kam vom Berg.
MAIDO drehte sich brav in den Wind – alles wie es sein sollte.
Aber die Welle?
Sie hatte andere Ambitionen.
Sie kam schräg, seitlich, irgendwie von überall – und baute sich zu einem unangenehmen Dauer-Schaukeln auf. Ankern fühlte sich plötzlich an wie eine Dauerfahrt unter Segel.
Ergebnis:
Wir schliefen getrennt.
Duschen war Akrobatik.
Kaffee kochen nur mit Festhalten.
Zwei müde Menschen, ein schaukelndes Boot – keine ideale Kombination.
Nach ein paar Stunden geht da nicht nur der Magen, sondern auch die Stimmung langsam in den Keller.
Abends hatten wir dann… sagen wir mal… intensive Gespräche.
(Manche nennen das auch streiten.)
Zwei Optionen – und eine kleine Flucht an Land
Am nächsten Morgen standen wir vor zwei Möglichkeiten:
Vor Anker bleiben, den Windwechsel abwarten und weiter schaukeln
Gegen Wind und Welle weiter motoren
Wir entschieden uns für Option 1.
Und mein Mann – sehr großzügig, wie er ist – setzte mich mit dem Dinghy an Land ab.
Oh.
Mein.
Gott.
Das tat gut.
Ich stieg aus – und mein Körper schaukelte einfach weiter.
Landkrankheit deluxe.
Dieses Gefühl, wenn dein Körper nicht mehr weiß, was gerade oben ist.
Zwei Stunden lang fühlte ich mich, als würde ich noch immer auf MAIDO stehen.
Und ja: Es war eher lustig als schlimm.
Mondello: Sizilien von seiner schönsten Seite
Mondello hat mich sofort abgeholt.
So nette Menschen.
Offen, herzlich, unkompliziert.
Einfach, im besten Sinne.

Niemand macht hier ein Drama aus irgendwas. Alles fühlt sich leicht an.
Ich genoss jeden Schritt durch die kleine Küstenstadt – während MAIDO draußen weiter geduldig schaukelte.
Aber klar war auch:
Das hier ist kein Dauerzustand.
Entscheidungen auf See – und ein neuer Kurs
Am nächsten Tag lichteten wir den Anker.
Eigentlich hatten wir noch einen kleinen Abstecher zu den Liparischen Inseln geplant. Aber der Wind meinte es weiterhin nicht gut mit uns. Und als wir in der App MarineTraffic sahen, wie viele Boote dort bereits lagen, war die Entscheidung schnell getroffen.
Sommerferien.
Volle Buchten.
Nein, danke.
Also segelten wir weiter.
Vorbei an dem bezaubernden Cefalù, mit seiner markanten Silhouette.
Vorbei am industriellen Milazzo.
Unser Kurs: die Straße von Messina.

Eine weitere große Herausforderung auf unserer Route.
Und definitiv kein Ort für halbe Aufmerksamkeit.
Manche Orte fühlen sich nach Ankommen an.
Andere lehren dich, weiterzufahren.
Und Sizilien?
Hat uns beides gezeigt.

Unsere Reise durch Sizilien geht weiter – mit neuen Buchten, neuen Herausforderungen und der Straße von Messina vor uns.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.
Wenn du magst, wirf einen Blick auf MarineTraffic.
Dort sieht man, wie viele Schiffe gleichzeitig unterwegs sind.
Plötzlich wirkt das Meer wie ein Netz aus unsichtbaren Straßen.
Und irgendwo dazwischen bewegen wir uns gerade weiter.
Unsere Nachtfahrt von Sardinien nach Sizilien – ein Ritt auf der Kanonenkugel
Manchmal reicht es, einfach nebeneinander zu sein

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