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Rückenwind, Gegenwind, Reality Check: Der Beginn unserer großen Reise

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 14. Nov.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 12 Stunden


Die ersten Meilen – und gleich die erste Lektion


Der Morgen unseres Aufbruchs fühlte sich unwirklich an.

Monatelang hatten wir vorbereitet, geschuftet, gelernt und geträumt – und plötzlich war er da:

der Tag, an dem wir Maido endgültig aus dem sicheren Hafen führen und in unser neues Leben aufbrechen würden.


Wir hatten ja keine Erfahrung mit offener See.

Null.

Nada.

Und so ehrlich muss man sein: Wir hatten auch keine Ahnung, wie sehr wir diese Tatsache unterschätzten.


Zum Glück haben wir Freunde, die uns nicht im Stich lassen.

Marc bot an, uns in den ersten vier Tagen zu begleiten, und Tommy meinte mit einem schiefen Grinsen:


„Wenn ihr’s richtig lernen wollt, fahrt über die Nordsee. Ist zwar länger – aber besser.“


Wir nickten sofort.

Warum?

Keine Ahnung.

Wahrscheinlich, weil wir’s nicht besser wussten. Aber wir waren einfach nur heil froh, dass Marc dabeibleiben würde.



Tschüss Lemmer - letzte Ankernacht mit Freunden



Leinen los – jetzt wird’s ernst


Nach unserer kurzen Nacht wollten wir erst gegen zehn ablegen. Wir waren müde, aber voller Adrenalin.

Letzte Umarmungen, letzte „Passt gut auf euch auf!“-Rufe vom Steg, letzter Blick zurück.

Dann:

Leinen los.

Und da war es – dieses Gefühl, dass jetzt das krasseste Abenteuer unseres Lebens beginnt.

Frühstück auf Katamaran Maido




Schon kurz hinter dem Hafen setzten wir die Segel.

Der Wind war freundlich, ein schöner Rückenwind schob uns sanft voran, und wir beide waren einfach nur glücklich.

Ich machte sogar noch Frühstück – und wir aßen unterwegs wie zwei Menschen, die glauben, das Leben verstanden zu haben.


Es lief perfekt.

Fast zu perfekt.






Die erste Winddrehung – und der erste Reality Check


Hinter Stavoren drehte der Wind.

Die Wettervorhersage hatte’s erwähnt, aber jetzt war er da:

der Gegenwind.


Erst dachten wir:

„Okay, reffen wir.“

Dann frischte der Wind schneller auf, die Welle baute sich auf, alles wurde holpriger – und wir merkten, dass „okay“ hier gar nichts war.


Ich ging nach vorne, um das Großsegel runterzuholen. Der Wind peitschte. Die Wellen klatschten.

Ich kämpfte mich nach vorne, zog das Segel runter, sicherte alles – und kämpfte mich zurück zum Cockpit.

Und dann traf es mich.


Beine wie Gummi. Der Magen drehte sich. Ein Druck im Kopf, der mich fast zu Boden schickte.


Ich wurde seekrank.


Und wir waren so sicher gewesen, dass uns das nicht passiert. Schließlich lebten wir ja schon Monate auf Maido.

Wir hatten schon einige Törns gemacht. Wir dachten, wir seien „seefest“.


Pustekuchen.


Ich konnte nichts mehr – nur noch liegen. Zum Glück blieb mein Mann fit und Marc wie immer ruhig wie ein Stein.




Regen, Welle, Chaos – und als Sahnehäubchen: ein Notfall neben uns


Als wäre die Situation nicht schon genug, fing es an zu regnen. Die Welle wurde noch blöder. Alles wurde einfach… nervig.

Und dann fuhr plötzlich ein Boot der Küstenwache dicht an uns vorbei – um uns zu warnen.

Kurz darauf sahen wir ein Segelboot, das abgeschleppt wurde.

Mastbruch.


Das komplette Rigg hing hinterher.

Also… willkommen auf dem Meer, oder?




Acht Stunden Kampf – für 30 Meilen


Die Strecke nach Makkum betrug eigentlich nur etwa 30 Seemeilen.

Ein Klacks – theoretisch. In der Realität dauerte es fast acht Stunden.

Acht zähe, nasse, wackelige Stunden.


Und dann – plötzlich – beim Einlaufen in den Hafen:

Welle weg. Und meine Seekrankheit löste sich in Luft auf.

Einfach so.


Wir konnten direkt am Anfang des Hafens kostenlos anlegen, weil wir früh zur Schleuse wollten.

Marc war noch erstaunlich fit, aber wir beide?

Komplett am Ende.


Die Zweifel schwappten plötzlich lauter als die Wellen. Unser Traum, entspannt durch türkisblaue Buchten zu bummeln, fühlte sich auf einmal meilenweit entfernt an.

Unerreichbar.

Fast absurd.


Wir besprachen mit Marc noch kurz den Plan für den nächsten Tag – und dann fielen wir einfach nur ins Bett.


Gesegelt sind wir an diesem Tag kaum.

Gelernt haben wir dafür umso mehr.







Lust auf mehr Bootsabenteuer? Dann bleib an Bord – die nächste Etappe wartet schon.

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Praktische Tricks, die uns und unser Boot vor Kälte, Eis und Chaos gerettet haben.


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