Segeln in Griechenland: Zwischen Angst, Freiheit und einem unerwarteten Tag auf Astypalea
- Barbora

- 7. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Wir wollten nur weg – was dann auf dem Weg nach Astypalea passierte, hat uns überrascht

Wir haben all unseren Mut zusammengenommen.
Über 30 Knoten in Böen.
Der Wind zerrte schon am Boot, bevor wir überhaupt los waren.
Der Moment, in dem du weißt:
Das kann jetzt richtig unangenehm werden.
Wir gingen.
Wir wollten raus.
Raus aus dem Stillstand.
Raus aus diesem Gefühl von Einsamkeit.
Endlich weiter segeln.
Vielleicht kennst du diesen Moment,
in dem Bleiben sich plötzlich schwerer anfühlt als Gehen.
Also lichteten wir den Anker vor Katalopa.
Segeln bei starkem Wind – und plötzlich wird alles ruhig
Kaum hatten wir den Schutz der Insel verlassen, passierte etwas Unerwartetes.
Der Wind ließ nach.
Nicht komplett.
Aber genug, um uns innehalten zu lassen.
Die Wellen schoben unseren Katamaran sanft von hinten,
die Sonne brach durch die Wolken und das Wasser wurde tiefblau und ruhig.
Wir setzten die Segel.
Motoren aus.
Wir sahen uns an.
Still.
Fast ungläubig.
Plötzlich war da nur noch das Meer.
Das leise Pfeifen des Windes.
Das rhythmische Plätschern der Wellen
und dieses Gefühl von… Erleichterung.
Nicht laut.
Nicht überwältigend.
Eher so, als würde sich innerlich etwas langsam lösen.
Ich machte uns Kaffee.
Mitten auf dem offenen Meer.
Ein Moment, der sich fast unwirklich anfühlte –
gerade weil wir mit etwas ganz anderem gerechnet hatten.
30 Meilen Segeln nach Astypalea
Die Strecke nach Astypalea fühlte sich leicht an.
30 Meilen, die uns gezeigt haben,
warum wir überhaupt losgegangen sind.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir die Bucht Livadi auf Astypalea –
eine kleine, weniger touristische Insel der griechischen Dodekanes.
Einige Segelboote lagen bereits vor Anker.
Wir suchten unseren Platz.
Ankern in Griechenland: Wenn plötzlich nichts mehr geht
Der Untergrund war schwierig zu erkennen.
Seegras überall, Sandflecken nur noch schwach sichtbar im Abendlicht.
Wir ließen den Anker auf etwa sechs Metern Tiefe fallen.
Zu nah.
Zu nah an anderen Booten.
Also wieder hoch.
Doch diesmal war sofort klar:
Etwas stimmt nicht.
Die Ankerwinde arbeitete schwerer als sonst.
Zu schwer.
Dann sah ich es.
Etwas Gelbes.
Verheddert.
Unnachgiebig.
Eine gelbe Kette, die sich um unseren Anker gelegt hatte. (solche Situationen gehören zu den Dingen, die wir beim Ankern erst lernen mussten →)
Für einen kurzen Moment war da dieser Gedanke:
Bitte nicht jetzt.
Wir reagierten ohne viele Worte.
Ich ging an den Steuerstand,
hielt das Boot mit den Motoren in Position.
Er ging nach vorne.
Ruhig. Fokussiert. Schnell.
Mit einem Seil, ein paar Handgriffen
und dieser besonderen Mischung aus Erfahrung und Intuition
löste er die Kette von unserem Anker.
Ich merke jedes Mal, wie sehr ich genau das bewundere.
Ein paar Meter weiter ankerten wir erneut.
Diesmal sicher.
Und mit einer offenen Frage:
Was macht eine gelbe Kette mitten in dieser Bucht?
Astypalea – eine der ruhigsten Inseln Griechenlands

Am nächsten Tag gingen wir an Land.
Und sofort war klar:
Astypalea ist anders
(ganz anders als die Inseln, die wir zuvor besucht haben →)
Weniger laut.
Weniger voll.
Und gleichzeitig… lebendig.
Die Menschen nahmen sich Zeit.
Für Gespräche. Für Empfehlungen.
Und vielleicht auch ein bisschen.... für uns.
Und wir?
Wir ließen uns treiben.
Zwei Nächte blieben wir.
Eine einsame Bucht und ein unerwarteter Ort der Ruhe
Am dritten Tag wechselten wir in die Marina, tankten Diesel,
zogen weiter, erkundeten die Insel von der Wasserseite aus.
Bucht für Bucht.
Bis wir sie fanden.
Eine abgelegene, fast leere Bucht am anderen Ende von Astypalea.
Das Ankern war wieder Geduldssache.
Seegras überall.
Mehrere Versuche.
Warten.
Neu ansetzen.
Bis der Anker endlich griff.
Auf einem dieser hellen Sandflecken. Fest und sicher.
Am Nachmittag machte ich uns etwas zu essen.
Und dann fiel mein Blick an Land.
Ein Friedhof.
Direkt am Strand.
Wir haben solche Orte schon öfter gesehen.
Und doch ist es jedes Mal besonders.
Diese Ruhe.
Diese Weite.
Dieses Gefühl, dass hier alles langsamer ist.
Vielleicht sogar endgültiger.
Und plötzlich ergab alles Sinn.

Die Stille.
Die Leere.
Diese fast greifbare Ruhe.
Wir saßen einfach da.
Kein Wind, der uns forderte.
Keine Wellen, die uns wach hielten.
Nur klares Wasser.
Der Blick auf die Chora am Horizont.
Und dieses Gefühl von… Ankommen.
Fast heilsam - nach den Tagen voller Unsicherheit zuvor.
Unser erster Besuch an Bord – Vorbereitung auf Kos
Und dann kam der nächste Gedanke.
Unser erster Besuch.
Dennis.
Noch nie gesegelt.
Noch nie auf einem Boot gewesen.
Und genau hier sollten wir uns treffen.
Ein Stück unserer Reise mit ihm zusammen gehen.
Plötzlich waren sie da – die Fragen:
Wird es ihm gefallen?
Wird er sich wohlfühlen?
Was, wenn das Wetter wieder umschlägt?
Vielleicht kennst du das.
Wenn man möchte, dass etwas perfekt wird –
und genau dadurch entsteht dieser Druck.
Wir wollten ihm unser Leben zeigen. Das echte Leben auf einem Katamaran.
Mit allem, was dazugehört.
Und vor allem wollten wir eines:
Dass es für ihn unvergesslich wird.
Weitersegeln nach Kos
Kos war unser nächstes Ziel.
Also lichteten wir wieder den Anker.
Während wir dort auf ihn warteten,
bereiteten wir alles vor.
Das Boot.
Uns.
Und vielleicht auch ein Stück weit das,
was wir teilen wollten.
Und vielleicht ist genau das das Besondere an dieser Reise:
Denn manchmal geht es beim Segeln nicht nur um Orte.
Sondern um die Menschen, die ein Stück des Weges mit uns gehen.
Und manchmal auch darum,
den Mut zu haben, überhaupt loszufahren –
obwohl man nicht weiß, wie sich alles anfühlen wird.
Denn genau dort draußen,
irgendwo zwischen Wind, Zweifel und diesen stillen Momenten,
passiert das, was man vorher nicht planen kann.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.
Wenn du beim Lesen spürst, dass du für einen Moment den Alltag loslassen möchtest, ffnet sich hier ein kleiner Raum auf dem Wasser: Mitgehen.
Warum wir trotzdem losfahren – auch wenn wir Angst haben



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