Segeln nach Kos: Warum wir Astypalea verlassen haben – und was danach passierte
- Barbora

- 14. Mai
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Mai

Wir hätten bleiben können.
Und ein Teil von uns wollte genau das.
Astypalea zu verlassen, fiel uns schwerer, als wir erwartet hatten.
Vielleicht, weil diese Insel genau das ist, wonach viele suchen ohne es wirklich benennen zu können.
Weniger Tourismus.
Mehr Ruhe.
Mehr griechische Echtheit.
Ein Ort, an dem man nicht nur ankommt sondern irgendwie sofort dazugehört.
Und genau deshalb stellt sich irgendwann die Frage:
Warum geht man von so einem Ort überhaupt wieder weg?
Der Moment, in dem Vernunft gewinnt
Wir ahnten schon, was uns erwartet.
Nicht sofort.
Aber bald.
Der Wind hätte gedreht.
Und mit ihm die Wellen.
Seitenwellen auf dem Weg nach Kos – unangenehm, unruhig, unnötig.
Darauf hatten wir wirklich keine Lust.
Wir sind und bleiben Schönwettersegler.
Also entschieden wir uns.
Für die ruhigere Überfahrt.
Für Motorsegeln.
Für den „einfacheren“ Weg.
Und genau da beginnt oft etwas, womit man nicht rechnet.
Vier Monate unterwegs – und plötzlich ist da eine Lücke
Als wir in der Bucht von Kefalos auf Kos ankamen,
waren wir genau vier Monate unterwegs.
Vier Monate Leben auf dem Wasser.
Und trotzdem war da dieses Gefühl, das sich nicht so leicht greifen lässt:
Es fehlte etwas.
Die Saison neigte sich langsam dem Ende zu.
Viele Orte wirkten leer, fast schon verlassen.
Man konnte es den Menschen ansehen.
Diese Müdigkeit.
Diese leise Enttäuschung.
Als wäre dieser Sommer für viele nicht so verlaufen, wie sie es sich erhofft hatten.
Noch zehn Tage, bis Dennis kommt.
Langsam wurde uns klar, daß genau das der Punkt war:
Uns fehlte etwas Vertrautes.
Jemand, der unsere Reise nicht nur erzählt bekommt sondern ein Teil davon wird.
Jemand, dem wir diese unfassbar schöne Welt näher bringen.
Jemand, der mit uns all diese Momente teilt.
Kennst du das?
Wenn du etwas erlebst,
das sich fast zu groß anfühlt,
um es nur für dich zu behalten?
Zwischen Warten und Vorbereitung

Die Zeit zog sich.
Langsam.
Wir räumten das Boot auf,
gingen einkaufen,
planten die nächsten Etappen.
Eigentlich nichts Besonderes.
Und trotzdem hatte alles einen anderen Charakter.
Weil man auf etwas wartet.
Von Kos aus konnten wir bei klarer Sicht schon die Türkei erkennen.
Unser Ziel für den Winter.
Noch nicht ganz greifbar.
Aber nah genug, um zu wissen, dass es ernst wird.
Plötzlich geht es nicht mehr nur ums Segeln
Beim täglichen Tauchen zeigte sich unter Wasser schnell:
Maido braucht Pflege.
Das Unterwasserschiff muss gemacht werden. Und dafür müssen wir kranen.
Klingt einfach.
Ist es nicht.
Ein Katamaran braucht spezielle Marinas, wovon es nicht viele gibt.
Wir dachten es uns schon:
Wir sind spät dran.
Zu spät?
Die Häfen auf den Dodekanes Inseln waren bereits voll. Viele türkische Boote überwintern inzwischen in Griechenland, da die Preise in der Türkei stark gestiegen sind.
Plötzlich sind neue Herausforderungen aufgetreten, die unsere Pläne etwas durcheinander wirbelten.
Und die eine Frage, die vorher keine Rolle gespielt hat:
Wo gehen wir eigentlich hin, wenn alles voll ist?
Wir nutzten die Pause und kontaktierten mehrere Häfen.
Nach einigen Mails/Telefonaten standen wir da.
Ungeplant.
Mit noch etwa 300 Meilen vor uns.
Kefalos – ruhig, aber nicht wirklich
Die Bucht von Kefalos wirkte ruhig.
Zumindest am Morgen.
Doch jeden Tag wiederholte sich das Gleiche.
Ab Mittag fielen etwa 20 Knoten Wind von den Bergen in die Bucht.
Wie ein Uhrwerk.
Direkt auf uns zu.
Für einen kurzen Zwischenstopp bestimmt nichts schlimmes.
Auf Dauer - anstrengend.
Das Meer konnten wir nicht wirklich genießen.
Zu kühl. Zu unruhig.
Und doch passierte genau hier etwas, das wir nicht erwartet hatten.
Ein einziges Wort reicht
In der Bucht lagen mehrere Boote, sogar Segelyachten mit türkischer Flagge.
Irgendetwas daran fühlte sich vertraut an.
Also stiegen wir eines Abends ohne große Erwartungen ins Dinghy.
Ein kurzer Moment des Zögerns. Dann ein einfaches:
„Merhaba“
Und plötzlich saßen wir an Bord.
Ein Ärzteehepaar.
Eine Dose Efes in der Hand.
Und Gespräche, die sofort Tiefe hatten.
Wir hatten unzählige Fragen.
Über die Türkei.
Über das Segeln dort.
Über das Einklarieren.
Und sie nahmen sich Zeit.
Für jede einzelne.
Im Gegenzug erzählten wir von unseren Erlebnissen aus den bisherigen Etappen.
Dieser Abend war mehr als nur ein Gespräch.
Es war… eine Freude.
Es war vertraut.
Fast so, als würde man sich schon Jahre kennen.
Genau solche überraschende Begegnungen sind im Nachhinein so wertvoll. Ähnliche Begegnungen hatten wir schon auf unserer Reise erlebt.
Wir redeten bis spät in die Nacht, tauschten unsere Nummern aus.
Kardamena: Drei Tage - mehr nicht.
Wir entschieden uns, die letzten Tage vor Dennis in der Nähe von Kardamena zu verbringen.
Praktischer für seine Ankunft, einfacher für uns.
Nur etwa eine Stunde zu segeln.
Noch drei Tage.
Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten:
Diese drei Tage würden sich ganz anders anfühlen, als wir dachten.
Wenn aus „ruhig“ plötzlich „knapp“ wird
Die Buchten auf Kos sind eigentlich ideal.
Zwischen 3 bis 8 Meter Tiefe gräbt sich der Anker unproblematisch in den sandigen Grund.
Optimal.

So war auch die erste Nacht vor Kardamena ruhig.
Fast zu ruhig.
Am nächsten Morgen zog ich den Anker.
Mir war sofort klar:
Da stimmt etwas nicht.
Zu schwer.
Zu fest.
Ein Stein.
Der Anker hatte sich komplett festgesetzt.
In der Nacht hatten wir einfach Glück.
Kein Wind.
Aber was wäre gewesen, wenn…?
In dem Moment wird einem klar, wie schnell sich eine ruhige Nacht in etwas ganz anderes hätte verwandeln können.
Tage, die langsam an den Kräften zehren
Wir erhofften uns mehr Schutz durch den Berg und ankerten näher am Strand.
Doch der Wind blieb.
Wie jeden Tag.
Die Stimmung kippte.
Nicht plötzlich.
Sondern schleichend.
Es sind die kleinen Dinge, die anfangen zu nerven.
Jede Fahrt mit dem Dinghy war wie eine Dusche.
Jede Tagesaktion gleichte einem Marathon.
Die Motivation ließ nach.
Irgendwann bleibt nur noch dieser Gedanke:
Wir wollen hier einfach weg.
Und dann kommt genau das, womit man nicht rechnet
Am Abend lief ein weiteres Segelboot in die Bucht ein und kreiste erst eine Weile.
Platz war noch reichlich.
Obwohl Starkwind für die Nacht angesagt war, ankerten sie nach mehreren Versuchen direkt neben uns.
Zu nah.
Schon von den Tagen davor waren wir etwas gereizter, beobachteten wir ein älteres Paar am Deck, dass hektisch die Leinen aufräumte.
Überfordert.
Erschöpft?
Also stiegen wir ins Dinghy.
Die Ankerwinde war defekt.
Sie hatten Mühe, überhaupt anzuhalten.
Mehrere Tage auf See durch lange Überfahrt.
Starker Meltemi Wind.
Kaum Schlaf.
Mein Mann versuchte zu helfen.
Doch ein Teil der Ankerwinde war zerstört und musste getauscht werden.
Nach kurzem Gespräch und Begutachtung aller Optionen entschieden wir:
Wir ankern um.
Und plötzlich änderte sich die Stimmung komplett.
Verständnis. Erleichterung. Dankbarkeit.
Und genau in diesem Moment hat sich etwas gedreht.
Nach Tagen des Wartens war plötzlich wieder Leben da.
Begegnungen, die uns gezeigt haben, wie sehr uns genau das gefehlt hat.
Vielleicht sind das keine Zufälle
Ich habe viel darüber nachgedacht.
Ob es Zufall ist.
Oder ob genau solche Dinge passieren, wenn man einfach nicht stehen bleibt.
Denn wenn wir gewartet hätten… hätten wir all das nicht erlebt.
Nicht diese Gespräche.
Nicht diese Momente.
Nicht diese Menschen.
Vielleicht ist genau das der Punkt:
Dass man aus seiner Komfortzone aussteigt und sich auf die Ereignisse einlässt.
Morgen kommt Dennis
Jetzt sind es nur noch Stunden.
Morgen kommt Dennis.
Und irgendetwas sagt uns, dass sich ab diesem Moment wieder etwas verschieben wird.
Nicht laut.
Aber spürbar.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.
Über unsere Zeit auf Astypalea erfährst du mehr hier.
Warum wir bewusst als Schönwettersegler unterwegs sind.

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