Einklarieren in die Türkei mit dem eigenen Boot – unsere Erfahrungen aus Griechenland kommend
- Barbora

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Ehrlich gesagt wussten wir vorher selbst nicht genau, was uns beim Einklarieren in die Türkei erwartet.
Im Internet fanden wir viele widersprüchliche Informationen, veraltete Beiträge und kaum Erfahrungsberichte von privaten Segelbooten.
Wer mit dem eigenen Segelboot oder Katamaran in die Türkei einreisen möchte, merkt schnell:
Das Einklarieren läuft hier deutlich anders ab als innerhalb der EU.
Bevor wir mit unserer Maido in die Türkei eingereist sind, mussten wir zuerst offiziell aus Griechenland ausklarieren. Da wir während unserer gesamten Reise fast ausschließlich vor Anker lagen und kaum Häfen besucht haben, sind wir dabei direkt auf die ersten Besonderheiten gestoßen.
Dieser Artikel basiert ausschließlich auf unseren persönlichen Erfahrungen beim Aus- und Einklarieren im Jahr 2025.
Ausklarieren aus Griechenland – unkompliziert, aber mit kleinen Stolperfallen
Für das Ausklarieren aus Griechenland wählten wir den kleinen Hafen auf der Insel Symi.
Grundsätzlich ist das Prozedere für private Bootsbesitzer relativ unkompliziert.
Zuerst besucht man die Polizei-Station.
Dort werden die Pässe abgestempelt und – falls noch nicht vorhanden – erhält man eine Crewliste zum Ausfüllen.
Mit folgenden Unterlagen ging es anschließend weiter zur Port Authority:
Reisepässe
Crewliste
Bootspapiere
TEPAI-Nachweis
Unser kleines Problem beim Ausklarieren
Da wir während unserer gesamten Reise durch Griechenland keinen offiziellen Hafen angelaufen hatten, fehlte uns ein vorheriger offizieller Einreisestempel.
Eigentlich hätten wir direkt nach der Einreise in Griechenland einen Hafen anlaufen und die Unterlagen abstempeln lassen müssen – selbst ohne dort zu übernachten.
Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht.
Zum Glück waren die Beamten auf Symi sehr freundlich und fanden schnell eine unkomplizierte Lösung für uns.
Am Ende mussten wir lediglich den TEPAI-Nachweis vorzeigen, eine kleine Gebühr von 5 Euro bezahlen und das Ausklarieren war erledigt.
Was ist TEPAI?
TEPAI ist die monatliche Steuergebühr für Boote in Griechenland.
Die Zahlung kann bequem online erfolgen.
Als Nachweis genügte bei uns die PDF-Datei, die wir nach der Zahlung per E-Mail erhalten hatten.
Natürlich hätte man den gesamten Ablauf auch über einen Agenten erledigen können.
Uns war es allerdings wichtig, den Prozess selbst zu verstehen und die Erfahrung persönlich mitzunehmen.
Einklarieren in die Türkei – deutlich aufwendiger
Ganz anders läuft das Einklarieren in der Türkei ab.
Hier gibt es nur bestimmte Häfen, in denen ausländische Boote offiziell einklarieren dürfen.
Wir entschieden uns für Bozburun, da man dort bequem direkt vor dem Hafen ankern kann.
Vorab fanden wir im Internet überraschend wenig aktuelle Informationen – besonders für private Segelboote und Katamarane.
Welche Unterlagen braucht man?
Für das Einklarieren hatten wir vorbereitet:
Reisepässe
Bootspapiere
Crewliste
Bootsführerschein und Funkschein (wenn nötig)
zwei Bilder vom Boot
Das zuständige Büro befindet sich in Bozburun direkt am Hafen.
Ohne Agent läuft fast nichts
Da der gesamte Prozess in der Türkei deutlich umfangreicher geregelt ist, wird man meist direkt durch die Behörden an sogenannte Agenten verwiesen.
Diese übernehmen das komplette Einklarieren.
Die Gebühren lagen laut unserer Erfahrung und Aussagen anderer Segler im Jahr 2025 meist zwischen 300 und 500 Euro. Die Gebühren können sowohl in Euro als auch in türkischer Lira bezahlt werden.
Wir selbst warteten etwa drei Stunden, bis alles erledigt war.
Während wir warteten, kamen immer wieder neue Segler herein, Papiere wurden kontrolliert, telefoniert, abgestempelt.
Irgendwann merkten wir: In der Türkei läuft vieles anders – aber irgendwie funktioniert es am Ende trotzdem.
Das digitale Transitlog
Eine Besonderheit in der Türkei ist das digitale Transitlog.
Darin wird die komplette Crew offiziell erfasst.
Wichtig zu wissen:
Jede spätere Änderung der Crew muss erneut über einen Agenten erfolgen und ist kostenpflichtig.
Das betrifft sowohl das Ankommen neuer Personen als auch das Verlassen des Bootes.
Laut Aussagen ist das Transitlog für ein Jahr begrenzt und sollte jedes Jahr erneuert werden.
Die Mavi Kart – Pflicht für Bootsbesitzer in der Türkei
Eine weitere Besonderheit ist die sogenannte Mavi Kart („Blaue Karte“).
Dieses System dient dem Schutz der türkischen Küstengewässer.
Für Bootsbesitzer bedeutet das:
Der Fäkalientank muss geschlossen bleiben
Der Tank muss regelmäßig offiziell entleert werden
Die Entsorgung muss dokumentiert werden
Die Entleerung kann entweder:
in Marinas erfolgen
oder über spezielle Entsorgungsboote, die regelmäßig durch viele Buchten fahren
Auch diese Entsorgung ist kostenpflichtig.
Wichtig: Belege unbedingt aufbewahren
Nach jeder Entleerung erhält man einen Nachweis.
Diese Belege sollte man unbedingt aufbewahren, da sie gelegentlich von der Küstenwache kontrolliert werden können.
Wer längere Zeit in einer Marina liegt und anschließend weitersegelt, sollte sich zusätzlich beim Verlassen des Hafens einen offiziellen Nachweis über die Entleerung ausstellen lassen.
Lohnt sich Preisvergleich bei Agenten?
Ja – definitiv.
Je nach Hafen gibt es mehrere Agenten und die Preise können sich spürbar unterscheiden.
Mittlerweile sprechen viele Agenten ausreichend Englisch, wodurch die Kommunikation meist problemlos funktioniert.
Wichtig ist allerdings:
Man sollte Zeit und Geduld mitbringen.
Das gesamte Prozedere kann sich schnell in die Länge ziehen.
Unser Fazit zum Einklarieren in die Türkei
Die Türkei ist für Segler landschaftlich unglaublich beeindruckend und bietet traumhafte Buchten.
Das Einklarieren ist allerdings deutlich bürokratischer und teurer geworden als noch vor einigen Jahren.
Besonders mit dem eigenen Katamaran oder Segelboot sollte man sich vorab gut informieren und genügend Zeit einplanen.
Rückblickend war das Einklarieren deutlich komplizierter, als wir erwartet hatten.
Aber genau solche Erfahrungen gehörten inzwischen zu unserem Alltag auf dieser Reise dazu.
Und oft beginnt genau hinter diesen bürokratischen Momenten das eigentliche Abenteuer.
Alle Informationen in diesem Artikel basieren ausschließlich auf unseren persönlichen Erfahrungen aus dem Jahr 2025 und sind deshalb ohne Gewähr.
Da sich Abläufe, Gebühren und Vorschriften jederzeit ändern können, freuen wir uns über zusätzliche aktuelle Erfahrungen oder Ergänzungen in den Kommentaren.
Gerade beim Ein- und Ausklarieren helfen persönliche Erfahrungen oft mehr als jede offizielle Information.
Als wir damals alles verkauft haben, dachten wir, wir hätten einen perfekten Plan.
Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon viele Meilen hinter uns – obwohl wir ohne große Segelerfahrung gestartet sind.
Wenn du unsere Reise weiter begleiten möchtest, findest du hier weitere Geschichten von Maido.



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