Knistern in der Nacht: Zwischen Sturm, Stille und dem Weg nach Griechenland
- Barbora

- 5. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Kalabrien, Sturmwolken und der erste Hauch von Griechenland
Eine Nacht vor Capo Rizzuto
Wir hatten gerade vor Isola di Capo Rizzuto eine Ankerboje gefangen, als sich der Himmel schlagartig veränderte.
Nicht langsam.
Nicht dramatisch angekündigt.
Sondern plötzlich.
Schwarz.
So schwarz, dass wir im Cockpit saßen und uns ziemlich sicher waren:
Okay. Das wird jetzt ein richtiger Sturm.
Der Wind legte zu, so stark, dass die Wolken regelrecht an uns vorbeirasten.
Innerhalb weniger Minuten zog das Unwetter weiter hinaus aufs offene Meer –
nicht weit von uns entfernt konnten wir zusehen, wie sich dort alles entlud.
Blitze. Regenfahnen. Dunkelheit.
Und wir?
Wir lagen ruhig vor Anker.
Fast zu ruhig.
Das Geräusch, das keiner kennt
Als wir später schlafen gehen wollten, hörten wir es.
Ein Geräusch, das wir so noch nie gehört hatten.
Ein Knistern.
Nicht laut.
Nicht punktuell.
Überall.
Im ganzen Boot.
Wenn man nicht weiß, woher ein Geräusch kommt, füllt der Kopf die Lücken schneller, als einem lieb ist.
Wir sahen uns an – diese Blicke, die alles sagen:
Hörst du das auch?
Ja.
Okay… das ist nicht gut.
Unser erster Gedanke: Elektrik.
Natürlich Elektrik.
Also alles aus.
Licht. Geräte. Sicherungen.
Das Geräusch blieb.
Wir tasteten uns durchs Boot, innen wie außen.
Kontrollierten, lauschten, suchten.
Nichts.
Gar nichts.
In diesem Moment klingelte das Telefon.
Tommy.
Ein erfahrener Skipper, der einfach mal hören wollte, wie es uns geht.
Perfektes Timing.
Wir schilderten ihm die Situation – sachlich, aber mit leicht erhöhter Herzfrequenz.
Seine Vermutung: der Sturm.
Statische Aufladung. Atmosphäre. Luft.
Nicht gefährlich.
Beruhigend?
Naja.
Wir legten uns schließlich hin und schliefen mit diesem leisen, unheimlichen Knistern ein.
Unter Wasser wird es nicht besser
Am nächsten Morgen war das Geräusch immer noch da.
Etwas leiser.
Aber da.
Ich schnappte mir Maske, Flossen und tauchte ab, um Maido unter Wasser zu checken.
Das Geräusch war überall.
Und unter Wasser sogar noch präsenter.
Das war gleichzeitig beruhigend und… ziemlich spooky.
Beruhigend, weil es nicht von unserem Boot kam.
Unheimlich, weil es scheinbar einfach überall war.
Ohne Ursprung.
Ohne Erklärung.
Manchmal ist Wissen eben besser als Fantasie.
Und manchmal auch nicht.
Pause in Ciro Marina

Nach dem Frühstück lichteten wir den Anker und fuhren um Capo Colonna herum in den nahegelegenen Hafen von Ciro Marina.
Diesel tanken.
Wasser bunkern.
Lebensmittel auffüllen.
Der Ort selbst war ein wenig heruntergekommen.
Nicht geschniegelt.
Nicht geschniegelt-touristisch.
Aber die Atmosphäre?
Unglaublich herzlich.
Menschlich.
Genau das, was wir nach diesen Tagen gebraucht hatten.
Wie gut es tat, einfach mal stehenzubleiben.
Kein morgendliches Routenplanen.
Kein Wettercheck.
Kein Grübeln.
Nur ankommen.

Es war bereits der 6. August, Hochsommer.
Wir nahmen endlich das Persenning ab, wuschen Maido gründlich, pflegten sie – fast wie ein kleines Dankeschön.
Sogar der Ölwechsel lief völlig unkompliziert.
Und überraschend günstig.
Wir blieben drei Tage.
Und sogten Kalabrien auf, ohne es zu merken.
Erst später verstanden wir, dass sich in uns in diesen Tagen etwas verschoben hatte.
Leise.
Unauffällig.
Aber nachhaltig.
Der letzte Sprung vor Griechenland
Nach der dritten Nacht setzten wir unsere Reise fort.
Direkter Kurs durch den Golf Richtung Santa Maria di Leuca.
64 Seemeilen.
Moderater Wind.
12 Stunden unter Segel.
Eigentlich wollten wir ankern.
Doch im Hafen gab es noch einen kostenlosen Platz am Kai also blieben wir für eine Nacht.

Der Ort war touristisch, voll mit Ausflugsbooten, laut und geschäftig.
Und trotzdem:
Diese Etappe hatte uns mitgenommen.
Wir waren müde.
Aber motiviert.
Denn wir wussten:
Das war unser letzter Stopp,
bevor wir endlich unser Wunschgebiet erreichen würden.
Griechenland.
Wir konnten es selbst kaum glauben, dass wir – als blutige Segelanfänger –mittlerweile so weit gekommen waren.
Und dann…
Im nächsten Abschnitt segeln wir endlich nach Griechenland ein.
Und ab dort wollten wir alles ein kleines bisschen anders machen:
Langsamer.
Aufmerksamer.
Mit mehr Zeit.
Denn irgendetwas hatte diese Etappe bereits in uns verändert.
Auch wenn wir es damals noch nicht in Worte fassen konnten.
Im nächsten Abschnitt überqueren wir endlich die Grenze nach Griechenland – und nehmen zum ersten Mal bewusst Tempo raus.
Danke fürs Lesen.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.
Wir waren damals noch blutige Anfänger – wie wir überhaupt ohne Segelerfahrung gestartet sind, erzählen wir hier.
Es war nicht das erste Mal, dass uns Wetter und Zweifel gleichzeitig begegnet sind.
Solche Momente erinnern uns immer wieder daran, wie viel Respekt das Meer verlangt.



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