Eine Nacht zwischen Sardinien und Sizilien
- Barbora

- 25. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Segelfahrt mit dem Katamaran von Sardinien nach Sizilien – persönliche Erfahrungen, Nachtfahrt und Starkwind.

Sardinien war windig – und wir eigentlich zu ungeduldig
Sardinien war windig.
Ja, wir brauchen Wind zum Segeln.
Aber wir gehören zur Sorte Genießer-Segler.
10 bis 15 Knoten reichen uns völlig.
Genug, um voranzukommen.
Genug, um die Gedanken zu sortieren.
Genug, um Wind, Wasser und Bewegung wirklich zu spüren.
Und ganz wichtig:
Am Ankerplatz wollen wir nicht im Cockpit Schutz suchen müssen –sondern sitzen, schauen, atmen, bleiben.
Doch Sardinien hatte andere Pläne.
Tagelang herrschten starke Ostwinde Richtung Sizilien.
Für uns: absolutes No-Go.
Gegenan motoren? Nein.
Festhängen bei 30 Knoten? Auch nein.
Also warteten wir.
Und entschieden uns für den einen Tag, an dem der Wind drehen sollte.
Das Problem:
Die Windstärke sollte rasch zunehmen.
Nicht optimal für Schönwettersegler wie uns.
Die Alternative laut Wettervorhersage?
Weitere Wochen auf Sardinien festzusitzen.
Das wollten wir auf keinen Fall.
Respekt vor Wind und Welle – und trotzdem los
Wir hatten großen Respekt.
Immerhin waren in Böen bis zu 40 Knoten vorhergesagt.
Aber wir waren auch ungeduldig.
Wir wollten weiter.
Richtung Sizilien.
Richtung unserem Wunschrevier.
Richtung Ägäis.
Und ja –ich wollte unbedingt wissen, wie wir damit klarkommen.
Und wie Maido das wegsteckt.
Rückblickend:
Ganz schön blöde Idee.
Zum Glück hatten wir unsere Telefonjoker.
Sabine begleitete uns seit Holland –nicht nur wettertechnisch, sondern auch mental.
Wenn wir uns unsicher waren, schaute sie aufs Wetter
und schickte uns immer noch einen kleinen Motivationsschub hinterher.
Diesmal holten wir uns zusätzlich Unterstützung von André und Petra aus Cádiz.
Sie beobachteten das Wetter mehrere Tage mit uns und André bastelte uns sogar eine Wetterroute.
Maximal lieb.
Uns war klar:
Das wird kein angenehmer Törn.
Aber laut unseren Jokern: MACHBAR.
Kurs Sizilien – und rein in den Wind

Um Punkt 8:00 Uhr zogen wir den Anker hoch.
Los ging’s.
Eigentlich waren wir müde.
Unruhige Nächte lagen hinter uns.
Aber der Wunsch, weiterzukommen, war größer.
Schon tagsüber hatten wir 20 Knoten Wind.
Maido lief schnell.
Richtig schnell.
Am Abend drehte die Welle mehr von hinten.
Wir genossen einen magischen Sonnenuntergang, mitten auf dem offenen Meer.
Dann verschwand die Sonne.
Und mit ihr die Ruhe.
Nacht, Wind, Wellen – und kein Licht
Der Wind nahm weiter zu.
Wir waren vorbereitet.
Wir refften auf den kleinsten Butterfly (das bedeutet: Großsegel und Vorsegel stehen spiegelbildlich, um mit dem Wind von hinten stabil zu laufen).
Mit 9 bis 10 Knoten surften wir die Wellen hinunter.
Hart an unserer Grenze –aber noch okay.
Bis die Wellen anfingen, sich aufzubäumen.
Und zu kreuzen.
Damit hatten wir nicht gerechnet.
Woher kommen diese Kreuzwellen?
Diese Frage begleitete uns,
während Maido begann, gefährlich in den Wellen zu drehen.
Stockdunkel.
Mondlos.
Du siehst absolut nichts.
Es fühlte sich an, als würde man gegen eine Wand fahren.
Beste Bedingungen ausgesucht. Wirklich.
Wenn der Autopilot aufgibt
Die Wellen waren so unangenehm, dass der Autopilot schließlich den Dienst quittierte.
Mein Mann setzte sich schimpfend ans Steuer.
Per Hand.
Die Situation war kritisch.
Maido wurde regelrecht herumgeschleudert.
Was hilft in solchen Momenten?
Ruhe bewahren.
Nach zwei Stunden keine Besserung.
Der Wind blieb.
Die Wellen blieben.
Mein Mann sagte ruhig:
„Leg dich hin. Versuch zu schlafen.“
Ich konnte kaum schlafen –die Schläge am Rumpf waren zu spüren.
Aber ich fiel immer wieder für kurze Momente weg.
Wenn ich wach wurde, schauten wir uns an.
Und er sagte nur:
„Schlaf weiter.“
Er steuerte die ganze Nacht per Hand.
Morgendämmerung und Salz auf der Haut
Erst als sich die Sonne ankündigte, ließ der Wind langsam nach.
Mein Mann übergab mir das Steuer.
Fiel sofort in den Schlaf.
Ich schaltete den Autopiloten ein.
Die Wellen waren immer noch über drei Meter, schoben uns aber sanft weiter Richtung Sizilien.
Ein Blick in Sailties: Durchschnittsgeschwindigkeit über 7 Knoten.
Kurz darauf eine Nachricht von André und Petra:
„Jetzt seid ihr richtige Salzstangen. Das war ein Ritt auf der Kanonenkugel.“
Und ja –genau so hat es sich angefühlt.

In dieser Nacht haben wir unsere Grenzen getestet.
Und Glück gehabt, dass uns die 40 Knoten erspart blieben.
Seitdem wissen wir:
Wir sind keine Nachtfahrer.
Und wir werden es möglichst vermeiden.
Manche Nächte bringen dich weiter als jede Meile.
Als Sizilien langsam näherkam, war da keine Euphorie.
Eher Erleichterung.
Und dieses stille Wissen, dass wir angekommen waren –nicht nur geografisch.
Wie sich Sizilien für uns anfühlte, nachdem der Wind uns dorthin getragen hatte, erzähle ich im nächsten Beitrag.
Danke fürs Lesen.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.
Hier findest du ein Video, wie wir den Sonnenuntergang genossen haben.
Wie wir als Paar auf engstem Raum leben.
Hier findest du die Anfänge von unserer Reise im Mittelmeer.
Wenn du mehr über Uns erfahren möchtest.



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