Vom Nebel verschluckt, vom Süden getragen – Unser Weg entlang der portugiesischen Küste
- Barbora

- 21. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 9 Stunden

Zwischen Nervenkitzel, Orca-Angst und Algarve-Magie
Die Tage in Nazaré nutzten wir, um zur Ruhe zu kommen. Wir sprachen mit anderen Seglern, holten Rat bei Hafenmeistern ein und suchten nach einer sicheren Strategie für die nächsten Etappen.
Eine Nachtfahrt stand sogar im Raum – ein Szenario, das wir wirklich nur im absoluten Notfall wollten.
Als das Wetter endlich etwas zurückruderte, fiel die Entscheidung:
Wir brechen auf.
Leichter Seitenwind, wenig Welle – zumindest theoretisch.
In der Praxis war es eher ein müdes Motorsegeln unter grauem Himmel. Die See stumpf, das Licht matt.
Und dann kam er: Nebel.
Tommy hatte uns gewarnt:
„In dieser Gegend kann es extrem schnell zu Nebel kommen. Da müsst ihr aufpassen.“
Also: Lichter an, Geschwindigkeit runter, aufmerksam bleiben – und hoffen, dass andere uns ebenfalls sehen.
Zum Glück verzog sich der Nebel am Nachmittag langsam.
Der Wind verabschiedete sich gleich mit – also mussten wir irgendwann endgültig die Segel runternehmen.
Unsere Maido brummte tapfer weiter Richtung Süden.
Cascais – Willkommen in Cash-Cash
Bis kurz vor Lissabon schafften wir es, dann stand fest: Wir ankern.
Cascais.
Die Marina dort ist berühmt – oder eher berüchtigt – für ihre Preise.
Nicht umsonst heißt sie unter Seglern „Cash-Cash“.
Also ließen wir den Anker draußen fallen und investierten unser Geld lieber in Wasser, Diesel und gute Lebensmittel.
Die Welle wiegte uns sanft in den Schlaf.
Am nächsten Morgen ging es weiter.

Mitten durchs Orca-Gebiet – unwissend natürlich
Wir wussten, dass es hier Orcas gibt.
Wir wussten nicht, dass man dringend nah an der Küste bleiben sollte, um Angriffen auszuweichen.
Also fuhren wir direkt durch die Mitte.
Unwissend.
Motiviert.
Naiv optimistisch. 😅
Einmal sah mein Mann eine große schwarze Flosse in unserer Nähe auftauchen – so schnell wieder verschwunden, dass wir erst später begriffen, wie nah das hätte gehen können.
Zum Glück boten die Buchten zwischen Sesimbra, Sines und Sagres überall Schutz.
Milde Gezeiten, kaum Wind – perfekte kleine Auszeiten zwischen den Etappen.
Und ganz ehrlich: Portugal von See aus zu erleben ist pure Magie.
Die Felsen, die Farben, diese Freiheit… genau dafür leben wir.
Lektion zwischen Sines und Sagres – Vertrauen ist gut, Autopilot ist… na ja
Tommy hatte uns immer geneckt:
„Ihr seid beim Segeln viel zu angespannt!“
Also wollten wir zwischen Sines und Sagres lockerer sein.
Autopilot an.
Wir lehnten uns zurück, öffneten den Laptop und gönnten uns eine kleine Pause.
Tja, dachten wir.
Doch Maido zeigte uns schnell, dass Ruhe trügerisch sein kann.
Der Wind flaute ab.
Der Autopilot kam mit dem Kurs nicht klar.
Und plötzlich stand Maido quer.
Wir sahen uns nur an und dachten:„Okay. Wieder was gelernt.“ 💨⚓
Solche Momente machen Segeln gleichzeitig aufregend, lehrreich und herrlich chaotisch.
Die Algarve – wild, warm und wunderbar
Und dann tauchte sie vor uns auf:
die Algarve.
Eine Region, die wir selbst mit dem Camper nie besucht hatten – und die uns sofort verzauberte.
In Lagos liefen wir in die Marina ein, um Wasser, Diesel und Vorräte aufzufüllen.
Chaos pur: enger Fluss, starke Strömung, 18 Knoten Wind – und eine Box, die gefühlt nur mit einem Schuhanzieher passte.
Zehn Zentimeter links, zehn rechts.
Zum Glück halfen uns die Marineros.
Sonst wäre Maido wohl ein Sandwich zwischen zwei viel zu großen Brötchenhälften geworden.
Am nächsten Morgen ging es weiter – vorbei an Albufeira Richtung Culatra.
Der typische portugiesische Küstennebel blieb unser treuer Begleiter.
Mal dichter, mal dünner.
Aber endlich – wärmere Temperaturen.
Die Michelin-Anzüge konnten wir langsam einmotten.
Wir werden ein Team – Maido und wir
Je weiter wir kamen, desto eingespielter wurden wir.
Ankern? Meistens beim ersten Versuch.
Segelmanöver? Effizient, ruhig, klar.
Entscheidungen? Strukturierter, mutiger, aber nie überstürzt.
Wir lernten, am Wind effektiv zu kreuzen, Situationen früh zu erkennen und als Team zu handeln.
Maido wurde ein Teil von uns –und wir ein Teil von ihr.
Ein Gefühl von Stärke, Sicherheit und Stolz wuchs in uns.
Culatra → Mazagón → Cádiz.
Etappe für Etappe.
Welle für Welle.
Erfahrung für Erfahrung.
Und dann… Cádiz
Cádiz schenkte uns eine Erfahrung, die wir nie vergessen werden:
Erst purer Horror.
Dann eine der schönsten Begegnungen unserer gesamten Reise.
Doch das… ist eine Geschichte für den nächsten Abschnitt
Wie wir das erlebt haben, erzähle ich dir im nächsten Blog. 🌊✨💛
👉wie wir unsere Törns planen, erfährst du hier
👉10 Dinge, die wir erst beim Langfahrtsegeln gelernt haben (und gern früher gewusst hätten)
👉unser erster tierischer Mitsegler, der uns eine gute Stunde begleitet hat
👉für noch mehr Eindrücke aus der Algarve und von der Einfahrt in den Hafen in Lagos, click hier









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