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10 Dinge, die wir erst beim Langfahrtsegeln gelernt haben (und gern früher gewusst hätten)

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 22. Nov.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Es gibt Dinge, die lernt man nur, wenn man sie erlebt. So richtig erlebt.

Und genau das passiert, wenn man plötzlich mit einem 11,55-Meter-Katamaran namens Maido  unterwegs ist – und das Leben plötzlich mehr schaukelt als die eigenen Erwartungen.


Hier unsere ganz persönlichen „Ach du Sch…“-Momente, die uns heute zum Lachen bringen – damals aber eher für Stresspickel oder leichte Panikattacken gesorgt haben.



1. Auch nach 4 Monaten Leben im Hafen wird man trotzdem seekrank


Man denkt ja:

„Vier Monate an Bord? Klar bin ich jetzt immun.

Spoiler: Nein.

Die erste Welle draußen auf dem Meer und der Körper so:

„Schön, dass du wieder da bist! Zeit für Übelkeit.“


Seekrankheit ist wie ein schlechtes Date – sie taucht immer dann auf, wenn man sie nicht gebrauchen kann, und geht nie so schnell, wie man hofft.



2. Das geplante Budget? Einfach mal verdoppeln. Immer.


Boote haben ein Talent: Sie spüren, wenn man sich sicher fühlt.

„Oh, du glaubst, du hast alles eingeplant? Lass uns mal sehen, wie dein Gesicht aussieht, wenn die Wasserpumpe stirbt, die Batterie streikt und das Lazybag gleichzeitig reißt.“


Boot = Loch im Wasser, in das man Geld wirft.

Manchmal auch mehrere gleichzeitig.



3. Eine mondlose Nacht auf offener See ist… absolute Finsternis


Wir dachten ja, die Nacht sei dunkel.

Aber nein.


Ohne Mond ist das Meer eine große schwarze Wand, die zurückstarrt.

Man sieht nichts.

Wirklich nichts.


Weder Horizonte noch Wellen – manchmal nicht mal die eigene Hand vor dem Gesicht.

Das ist der Moment, in dem man dem Plotter plötzlich eine völlig neue Wertschätzung entgegenbringt.



4. Einen Ankeralarm stellt man nicht auf 10 Meter, wenn das eigene Boot 11,55 Meter lang ist


Das haben wir einmal gemacht.

Nur einmal.

Resultat:

Der Ankeralarm schrillt, als würde Maido gerade entführt werden.

Herzstillstand inklusive.


Learning: Man braucht einen vernünftigen Radius. Wenn man 30 Meter Kette draußen wirfst, sollte man schon 60 Meter Radius wählen.



5. Lass den Kaffee niemals einfach auf dem Tisch stehen


Wir dachten:

„Ach, kleiner Schwell, was soll passieren?“

Tja…Die Antwort ist: alles.


Unser Boot scheint es liebt, Kaffee-akrobatische Höchstleistungen zu vollbringen.

Drei Tassen, zwei Teller und ein Glas – verloren an Poseidon.

Möge er sie ehren.



6. Eine Ankerboje fängt man nicht von vorne – sondern von hinten


Von vorne wirkt es logisch.

Bis man merkt, dass man plötzlich über der Boje hängt oder mit dem Boot darüber fährt.


Von hinten klappt’s.

Immer. Fast ohne Probleme.



7. Die Balearen im Hochsommer? Einfach nein.


Wunderschön – ja.

Aber im Sommer? Eine Mischung aus Stau, Parkplatzmangel und Oktoberfest, nur mit Booten.


Ankern fühlt sich an wie Tetris auf dem Wasser.

Ruhe? Fehlanzeige.

Freiheit? Eher Sardinenbüchse.


Wer kann: Juni oder September.

Wer nicht kann: Durchatmen und große Abstände zwischen den Booten vergessen.



8. Langfahrtsegeln mit einem Ziel ist ein Vollzeitjob


Segeln ist Freiheit, sagen sie.

Was sie aber nicht sagen:

Es ist auch Planung, Routenrechnen, Wetteranalysen, Reparaturen, Wasser besorgen, Diesel nachfüllen, Ankerplätze checken, Segel einstellen und wieder ändern.


Und wenn man denkt, man hat eine Pause – dann macht der Wind irgendwas völlig anderes.

Segeln mit Ziel ist nicht Urlaub.

Es ist Projektmanagement auf schwankendem Untergrund.



9. 40 Meter Ankerkette? Viel Glück. Nimm 70. Minimum.


Wir kamen mit 40 Metern Ankerkette an.

Der Atlantik und das Mittelmeer so: „Ach… wie süß.“


Das eigentliche Problem daran?


Mit nur 40 Metern wird deine Ankerplatz-Auswahl extrem klein. Sobald die Bucht etwas tiefer wird oder der Schwell reinkommt, fallen plötzlich 80 % aller schönen Plätze weg — und die wenigen flachen Stellen sind natürlich sofort voll.


Das endet dann meistens so:

Du fährst die dritte Bucht an… voll.

Die vierte Bucht… auch voll.

Und irgendwann bleibt dir nichts anderes übrig, als weiterzufahren, obwohl du müde, hungrig und eigentlich schon im Kopf beim Ankerbier warst.


Im schlimmsten Fall landet man sogar in einer ungeplanten Nachtfahrt, nur weil die Kette zu kurz war.


Mit 70 Metern fühlt sich die Welt schon größer an.

Mit 100 Metern schläfst du wie ein König — und suchst dir die Buchten aus, statt von ihnen aussortiert zu werden.



10. Die Wettervorhersage im Mittelmeer stimmt eigentlich nie


Wir waren verwöhnt vom Atlantik.

Windy, Windfinder, ECMWF — alles recht zuverlässig.

Mittelmeer?

Ganz eigener Charakter.


Manchmal passt die Vorhersage.

Manchmal ist sie 180° anders.

Manchmal bläst es statt 10 kn plötzlich 30.


Unser Learning:

👉 Verlasse dich nicht auf eine Vorhersage.

👉 Vergleiche mehrere Modelle.

👉 Und glaube keinem davon zu 100 %.


Die Realität entscheidet immer selbst.



Fazit: Man lernt nie aus – aber genau das macht Segeln aus


Segeln ist wunderschön, wild, unberechenbar, herausfordernd und voller Überraschungen.

Und genau diese Mischung lässt jede Meile zu einem Abenteuer werden.

Wir hätten vieles gerne früher gewusst.


Aber ganz ehrlich?

Die Geschichten wären nicht halb so gut.



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Leben an Bord.


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