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Segeln in Griechenland: Zwischen Meltemi, Motorgeräusch und Geduld

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 16. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit


Kleine Schläge durch die Ägäis



Katamaran vor Anker in Griechenland



Schon früh am Morgen wurde ich vom metallischen Rattern der Ankerketten geweckt.


In der Poseidon-Bucht lagen viele Boote vor Anker.

Die Windbedingungen wirkten vielversprechend –

und wie viele andere entschieden auch wir uns, weiterzuziehen.


Ab jetzt wollten wir es anders angehen.


Keine langen Etappen mehr.

Keine Gewaltmärsche.

Kleine Schläge durch die Ägäis.

Mehr treiben lassen.




Segeln im Meltemi – Herausforderung in der Ägäis


Zwischen Griechenland und der Türkei weht im Sommer ein besonderer Wind: der Meltemi.

Ein meist kräftiger Nordwind, der von Norden nach Süden durch die Ägäis zieht – und sich zwischen manchen Inseln noch zusätzlich beschleunigt.


Viele Segler nennen ihn einen Segen.

Konstante Bedingungen.

Klarer Himmel.

Verlässliche Richtung.


Für uns war er eher eine Herausforderung.


Wir wollten das Revier so angenehm wie möglich queren.


Keine unnötige Welle.

Kein unnötiger Druck.


Also beschlossen wir, nur kurze Etappen zu segeln.

Insel für Insel.

Ohne Ehrgeiz.


Unser erster Stopp: die griechische Insel Kythnos.




Ankern in Loutra (Kythnos) – eine Geduldprobe


Wie so oft im Mittelmeer kam alles anders als gedacht.


Kaum Wind.

Also Motor.


Das Meer war ruhig –

wären da nicht diese griechischen Speedfähren gewesen.


Wenn eine vor uns kreuzte, zog sie eine Welle hinter sich her, die unser Boot ordentlich durchschüttelte.

Eine Kaffeetasse hat diesen Tag nicht überlebt.


Am frühen Nachmittag erreichten wir die Bucht von Loutra auf Kythnos.


Karg.

Steinig.

Fast wie eine Wüste.


Weiße Häuser, dicht aneinandergereiht.

Reduziert.

Still.


Eigentlich wollten wir im kleinen Hafen anlegen.


Voll.


Also Plan B: vor Anker.


Die Bucht war klein und tief, umgeben von Felswänden.


Mit unseren 40 Metern Kette suchten wir lange nach einer sicheren Stelle.


Der Untergrund fühlte sich seltsam an.

Der Anker wollte sich einfach nicht eingraben.


Mehrere Versuche.

Hochholen.

Neu ansetzen.


Das Ankern in Loutra wurde für uns zu einer echten Geduldprobe.

Und Geduld gehört nicht gerade zu unseren größten Stärken.


Mit jedem erneuten Versuch wuchs dieses Gefühl.

Nicht mehr nur Verunsicherung.

Fast schon Verzweiflung.


Die 30 Meilen unter Motor lagen uns noch in den Knochen.

Dieses monotone Brummen.

Das Warten auf Wind, der nicht kam.


Und in solchen Momenten frage ich mich manchmal ganz ehrlich:


Was mache ich eigentlich hier?


Warum tausche ich Sicherheit gegen Unsicherheit?

Planbarkeit gegen Tiefe?


Erst auf zehn Metern Tiefe hielt der Anker schließlich.


Es war noch früh.

Kein Wind für die Nacht angesagt.


Wir beobachteten das Boot noch eine Weile –

und beschlossen zu bleiben.




Das geheimnisvolle Knistern unter der Wasserlinie


In der Nacht war es wieder da.


Dieses feine Knistern im ganzen Boot.


Es begleitete uns schon seit Italien.

Mal lauter.

Mal tagelang verschwunden.


Am nächsten Morgen ging ich schwimmen –

und bemerkte, dass unter der Wasserlinie an manchen Stellen die Schutzschicht fehlte.


Ein kurzer Moment von Unsicherheit.


Franky und Tommy – unsere Segelfreunde aus Holland – beruhigten uns am Telefon.


Ihr habt viele Meilen hinter euch.

Das ist normale Abnutzung.

Solange ihr regelmäßig segelt, setzt sich nichts fest.


Manchmal braucht man einfach eine ruhige Stimme von außen.




Motor statt Wind – Segeln in Griechenland ohne Brise


Unser nächstes Ziel: Hermoupoli.


Und wieder: kaum Wind.

Trotz guter Wettervorhersage.


Mein Mann bleibt in solchen Momenten entspannt.


Motor an.

Autopilot an.

Weiter.


Ich merke irgendwann, wie mich das monotone Geräusch nervt.


Man weiß, dass es dazugehört.

Dass man es aushalten muss.


Und doch fühlt es sich nach einer Weile kräftezehrend an.


Dieses gleichmäßige Summen erinnert mich manchmal an überfüllte Innenstädte.

An tausend Menschen, die hektisch durcheinanderlaufen.

An dieses unterschwellige Getriebensein.


Nur dass wir hier mitten im Meer sind.


Vielleicht ist genau das der Unterschied.


Der Blick in das weite Blau gleicht vieles wieder aus.


Der Horizont beruhigt.

Das Wasser trägt.


Ich ziehe mich nach vorne aufs Trampolin zurück.

Dort übertönt das Plätschern am Rumpf das Motorgeräusch.


Kleine Auszeiten.

Mitten auf See.




Dieselversorgung in Griechenland – nicht selbstverständlich


Die Bucht von Foikinas war überraschend leer.

Mitten in der Hochsaison wirkte das kleine Städtchen fast ausgestorben.


Weiße Häuser.

Karge Berge.

Viel Licht.


Hier merkten wir auch:

Diesel tanken in Griechenland ist nicht immer selbstverständlich.

Viele Marinas haben keine eigene Tankstelle.

Der Treibstoff wird per LKW angeliefert.


Wer vor Anker liegt, ist oft auf Kanister angewiesen.

Und ob für kleine Mengen wirklich jemand kommt, ist nicht garantiert.


Mit ein paar Telefonaten klappte es schließlich doch.


Kanister voll.

Weiter geht’s.




Kleine Schläge durch die Ägäis – unser Rhythmus


Diese Etappe hat uns mehr über unseren eigenen Rhythmus gezeigt als über das Revier.


Man kann den Meltemi nicht kontrollieren.


Nicht den Wind.

Nicht die Fähren.

Nicht die Versorgung.


Aber man kann entscheiden, wie man hindurchgeht.


Nicht schneller.

Nicht ehrgeiziger.

Sondern ruhiger.


Vielleicht ist genau das unser Weg durch die Ägäis geworden:


Nicht gegen den Wind zu kämpfen.

Nicht gegen die Zweifel.

Nicht gegen die Ungeduld.


Sondern zu bleiben.


Auch dann, wenn der Anker erst beim dritten Versuch hält.


Auch dann, wenn der Motor länger läuft als gewünscht.


Und vielleicht ist genau das die eigentliche Reise –

nicht von Insel zu Insel,

sondern von Unruhe zu Vertrauen.



Danke fürs Lesen







Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.


Wo wir das geheimnisvolle Knistern das erste Mal bemerkt haben.


Wie wir ohne Segelerfahrung gestartet sind.


Wie wir Stille auf dem Wasser erleben.

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