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Segeln als Paar in Griechenland – und warum wir nicht bleiben konnten

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 23. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit
Die Bucht von Naoussa auf Paros in Griechenland


Über Zweifel, Weiterziehen und das Gefühl, noch nicht angekommen zu sein


Wir wollten Griechenland genießen – und zogen trotzdem immer weiter. Eigentlich war der Plan einfach.


Griechenland.

Ankommen.

Länger verweilen.


Nach all den Meilen durch die Ägäis wollten wir beim Segeln in Griechenland endlich aufhören, täglich weiterzuziehen.

Einen Ort finden, an dem wir nicht nur ankern, sondern wirklich sein können. Einen Ort, an dem wir uns vorstellen können, Gäste an Bord zu begrüßen. Menschen, die wie wir die Ruhe suchen.

Die Einfachheit.

Das gemeinsame Dasein.


Und vielleicht – wenn wir ehrlich sind – suchten wir auch Gewissheit.

Klarheit darüber, wie unser Weg weitergehen soll.


In Holland war alles eindeutig gewesen – wie wir hier schon einmal beschrieben haben.

Die Entscheidung.

Der Aufbruch.

Das Loslassen.


Unterwegs jedoch begann etwas zu bröckeln.

Je weiter wir segelten, desto weniger wussten wir,

ob wir wirklich schon dort waren, wo wir innerlich hinwollten.


Es war kein klares Unwohlsein.

Eher ein leises Danebenliegen


Viele würden sagen:

„Aber ihr lebt doch den Traum.“


Ja. Das tun wir.

Und dafür sind wir dankbar.


Aber Dankbarkeit ersetzt keine innere Ruhe.




Segeln nach Paros – schön, aber nicht bleibend


An diesem Morgen war kein Wind. Das Meer lag flach, fast schläfrig. Wir hätten bleiben können. Niemand hätte uns gedrängt.


Und trotzdem entschieden wir uns weiterzuziehen.


Vielleicht, weil vor uns ein Gebiet lag, das wir ein bisschen gefürchtet haben.

Vielleicht, weil wir hofften, dass hinter dem nächsten Horizont dieses Gefühl von Ankommen wartet.


Der Wind kam später. Und dann kräftig genug, dass wir mit voller Segelfläche nach Paros segeln konnten.


In der großen Bucht vor Naoussa lagen unzählige Boote dicht an dicht auf der Ostseite. Wir ankerten auf der Westseite, etwas abseits.


Windstille.

Land.


Wir spürten beide diesen Drang, an Land zu gehen. Also ließen wir das Dinghy ins Wasser und fuhren zum Strand.


Ein kleiner Spaziergang über den Hügel. Die Sonne sank langsam. Wir verdrehten uns die Füße im Sand und fühlten uns für den Moment frei.


Egal, wie lange wir schon unterwegs sind – diese Momente berühren uns immer wieder.


Und trotzdem -

wir wussten schon am nächsten Morgen:

Wir bleiben nicht.


Es war malerisch.

Aber es war nicht unser Ort.




Ankern auf Kato Koufonisi – Postkartenblau mit kaltem Wasser


Wir segelten weiter nach Kato Koufonisi.


Das Wasser war fast unwirklich. Türkisblau, weißer Sand, dazwischen schwarze runde Steine. Ein einsamer Strand wie aus einem Bildband.


Tagsüber kamen Charterboote. Menschen sprangen ins Wasser, machten Fotos, fuhren weiter.

Die Bucht war groß genug. Der Ankergrund gut. Es hätte gepasst.


Aber das Wasser war kalt. Der Wind beständig.


Im Cockpit in der Sonne fühlte es sich nach Hochsommer an. Doch sobald man ins Wasser sprang, zog sich alles zusammen.

Frisch.

Klar.

Fast zu kühl.


Wir saßen nebeneinander und sprachen wenig darüber. Aber ich glaube, wir dachten beide dasselbe:


Warum zieht es uns weiter?


Mit zwei weiteren Schlägen, so rechneten wir, würden wir gemütlich bis nach Kos kommen.


Das Ziel für den nächsten Tag: 40 Meilen nach Astypalea.


Wir hatten uns verrechnet.




Starker Wind in der Ägäis – als sich das Meer plötzlich drehte


Der Start war harmlos. Die umliegenden Inseln gaben Schutz. Guter Wind, kaum Welle.

Wir segelten ruhig, fast gelassen.

Dann verließen wir den Schutz.


Und plötzlich war da nur noch offenes Wasser.


Der Wind kam seitlich. Über 30 Knoten. Schnell. Unerwartet heftig.


Zum Glück hatten wir nur das Vorsegel gesetzt. Trotzdem traf uns die erste Welle quer ins Cockpit. Dann die nächste.

Innerhalb von Sekunden war alles anders.


Die Teller im Schrank klirrten unaufhörlich. Das Boot legte sich auf die Seite. Die Wellen krachten gegen den Rumpf, als wollten sie uns zurückdrängen.


Eine Stunde dauerte es.

Nur eine.


Für mich fühlte sie sich endlos an.


Ich spürte nicht nur Respekt.

Ich spürte Zweifel.


Warum sind wir weitergefahren?

Warum reicht es uns nie, einfach einige Tage zu bleiben?




Zuflucht bei Katalopa

Katapola - einsame Bucht bei Meltemi

Sobald wir etwas Schutz durch die nächste Insel hatten, suchte ich fieberhaft nach einem Ankerplatz bei Katalopa.

Und dann lag sie vor uns.


Eine hohe, steile, karge Bergwand. Eine einsame Bucht. Höhlen im Fels. Kristallklares Wasser. Sandiger Grund.


Niemand.


Nach nur 15 Meilen fühlte es sich an wie Rettung.

Wir warfen den Anker. Er griff sofort.


Ich machte Kaffee. Meine Hände zitterten noch leicht.

Wir saßen nebeneinander und blickten hinaus auf das schäumende Meer vor der Bucht.


„Das legt sich bestimmt bald“, sagten wir.


Vielleicht sagten wir es, um uns selbst zu beruhigen.


Ich ging schwimmen. In der Bucht war es wie in einem Aquarium – so viele Fische, so klares Wasser.

Und doch blieb es kalt. Ungewöhnlich kalt für diese Jahreszeit.


Am Nachmittag kam der Wind auch in die Bucht. Unsere Maido drehte sich wie an einem unsichtbaren Faden.

Der Anker hielt.

Verlässlich.

Ruhig.


Also beschlossen wir zu bleiben.

Nur eine Nacht.


Am nächsten Tag würden wir weiterziehen.


Wir wussten nicht, dass wir fünf Tage dort bleiben würden.

Nicht aus Entscheidung.

Sondern weil das Meer anders entschied.


Aber davon erzähle ich im nächsten Artikel.


Wenn ich heute zurückblicke, glaube ich, wir waren nicht nur unterwegs auf der Karte.

Wir waren unterwegs in uns.


Und vielleicht zogen wir den Anker immer wieder hoch,

weil wir hofften, irgendwo endlich dieses Gefühl zu finden:


Hier bleiben wir.

Hier kommen wir zur Ruhe.


Und vielleicht mussten wir erst gezwungen werden, stillzuhalten.






Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.


Wenn du beim Lesen spürst, dass du für einen Moment den Alltag loslassen möchtest, öffnet sich hier ein kleiner Raum auf dem Wasser: Mitgehen.



Beim Leben auf unserem Katamaran in Griechenland merken wir immer wieder, dass äußere Ruhe nicht automatisch innere Ruhe bedeutet.


Wenn dich dieses Unterwegssein zwischen Zweifel und Weitermachen berührt hat, findest du hier weitere Texte über unser Leben auf dem Katamaran und die Suche nach Ruhe.

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