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Durch den Korinthkanal – und ein Stück weiter zu uns selbst

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 26. März
  • 3 Min. Lesezeit

Katamaran im Korinth Kanal in Griechenland




Die Unruhe vor dem Kanal


Schon am frühen Morgen war da diese Unruhe.

Eine, die nicht im Kopf saß, sondern irgendwo zwischen Brust und Magen.

Eine, die man nicht wegatmet.


Dabei lagen bereits unzählige Seemeilen hinter uns. Häfen, Funkgespräche, Nächte vor Anker. Momente voller Wind, Zweifel und kleiner Siege.


Auch wenn wir inzwischen viele Meilen gesammelt hatten – begonnen hat alles ganz anders.

Und trotzdem fühlte sich dieser Tag anders an.


Der Korinth-Kanal.


Die Vorstellung, mit unserem eigenen Katamaran durch diese schmale Passage zwischen hohen Felswänden zu fahren, hatte etwas Prüfendes.

Als würde dort draußen noch einmal gefragt werden, ob wir wirklich bereit sind.


Nicht technisch.

Sondern innerlich.




Warten, Beobachten, Bereitsein


Aus den Berichten wussten wir, dass Geduld hier dazugehört. Stundenlanges Warten ist keine Seltenheit.

Also liefen wir früh aus dem Hafen von Kiato aus. Nur fünf Meilen trennten uns von der Einfahrt.


Schon aus der Ferne lagen drei Yachten vor dem Kanal.

Per Funk kam die Anweisung: warten – wir wären die vierte Yacht.


Gerade als wir den Anker fallen lassen wollten, meldete sich der Funk erneut.

Bereithalten. Einlaufen.

Der Moment kam schneller als gedacht.




Wenn die Strömung entscheidet


Das Tor öffnete sich.

Und mit ihm die Kraft der Strömung.


Das Wasser begann zu drücken, zu ziehen, zu arbeiten. Kurz vor dem Tor kämpften wir uns vor – da kam der nächste Funkspruch:


Maido bitte warten. Noch nicht einlaufen.


Spontan drehten wir zur Seite, wollten ankern.

Und dann: ein kurzes Klack.

Stillstand.

Korinth Kanal Griechenland grünes Wasser

Mitten in der Strömung.

Manövrierunfähig.


Für einen Moment zog sich alles zusammen. Der Körper wusste sofort, wie ernst es war.

Noch vor ein paar Wochen wäre hier Panik ausgebrochen. Laut, unkontrolliert, lähmend.


Diesmal nicht.




Ruhe, wo früher Panik war


Etwas hatte sich verändert.

Nicht die Situation hatte sich verändert.

Sondern wir.


Wir blieben ruhig. Beide.

Nicht, weil es ungefährlich war – sondern weil wir gelernt hatten zu bleiben.


Mein Mann gab vorsichtig mehr Gas, nur um uns aus der stärksten Strömung herauszubringen. Abstand gewinnen. Zeit kaufen.


Ich übernahm das Steuer, hielt Maido so stabil wie möglich, während er im Motorraum verschwand.

Sekunden dehnten sich.

Der Atem wurde flach, aber klar.


Dann die Ursache: ein gelöster Pin an der Ruderanlage.

Ein Handgriff. Ein leises Einrasten.


Wir waren wieder da.

Anker fallen lassen.

Durchatmen.




Durch den Korinth-Kanal segeln


Kurz darauf waren wir wieder an der Reihe.

Diesmal ohne Zögern.

Korinth Kanal mit blauem Himmel

Mit dem Einlaufen veränderte sich das Wasser. Von tiefem Dunkelblau zu einem fast unwirklichen Hellgrün.

Die Wände rückten näher.

Und höher.


Der Korinth-Kanal ist überwältigend – nicht laut, sondern still.


Maido arbeitete gegen die Strömung, hielt seine fünf Knoten. Über uns ein makellos blauer Himmel, die Sonne hoch und klar.

Wir glitten hindurch.

Konzentriert. Staunend.

Tief berührt von dem Gedanken, hier wirklich selbst zu fahren.




Auf der anderen Seite ankommen


Am Ende des Kanals legten wir seitlich an und bezahlten ganz unkompliziert im Büro.

Ja – dieses Erlebnis hat seinen Preis. Nicht umsonst zählen diese drei Seemeilen zu den teuersten der Welt.


Es war bereits später Nachmittag.

Wir suchten keine Strecke mehr. Wir wollten einfach durchatmen.


Auf der anderen Seite warteten unzählige Schiffe auf ihre Freigabe.

Wir dagegen liefen einfach aus.

Richtung Salamis. In die Bucht von Kanakia.




Stille nach der Anspannung


Trotz der Nähe zu Korinth und Piräus: absolute Ruhe.

Klares Wasser.

Nur wenige Boote.

An Land fast nichts los – mitten im Hochsommer.


Ein Volltreffer.


Hier durfte alles nachklingen.

Die Anspannung. Die Dankbarkeit. Die Erkenntnis.


Diese Passage war neu. Herausfordernd. Und irgendwie magisch.




Was sich leise verändert hat


Wenn ich heute zurückblicke, spüre ich es deutlich:

Wir waren ruhiger geworden. Reifer. Klarer.

Nicht, weil wir alles im Griff hatten.

Sondern weil wir gelernt hatten, nicht sofort zu kämpfen.


Es war nicht der Kanal, der uns verändert hat.

Es war dieser Moment davor.

Als etwas nicht funktionierte.

Als die Strömung stärker war als der Plan.

Und wir trotzdem ruhig geblieben sind.


Nicht mutiger.

Nicht größer.


Und vielleicht war genau das neu.

Aber wir waren präsenter denn je.


Vielleicht war das der Moment, in dem wir verstanden,

dass es nicht ums Ankommen ging –

sondern ums Dableiben.


Und genau das reichte.


Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten:

Diese Ruhe sollte uns nicht begleiten.


Nicht lange.



Danke fürs Lesen.








Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.



Wenn du beim Lesen spürst, dass du für einen Moment den Alltag loslassen möchtest, öffnet sich hier ein kleiner Raum auf dem Wasser: Mitgehen.




Vor ein paar Wochen hätte uns genau so eine Situation noch völlig aus der Ruhe gebracht.



Dieses Spannungsfeld begleitet uns bis heute – auf See und an Land.

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