Segeln in der Ägäis – zwischen Ankommen und Weiterziehen
- Barbora

- 2. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Not all women want diamonds. Some just want a sailboat, a beautiful anchorage and a sky full of stars. The Sailing Life

Ankommen in der Ägäis – und trotzdem nicht ganz da
Wir waren endlich in der Ägäis angekommen.
Und trotzdem fühlte es sich nicht nach Ankommen an.
Eigentlich wollten wir langsamer werden. Der Sommer neigte sich dem Ende zu, und obwohl wir in den letzten Tagen keine großen Strecken zurückgelegt hatten, fühlten wir uns müde. Fast gehetzt. Vielleicht war es die Anspannung der vergangenen Etappen. Vielleicht das Wetter. Oder einfach die vielen Erlebnisse, die noch irgendwo in uns lagen – ungeordnet, unverarbeitet.
So genau wussten wir es nicht.
Aber an diesem Morgen in der Bucht vor Kanakia hatten wir beide dasselbe Gefühl:
Wir wollten weiterziehen.
Nicht, weil die Bucht nicht schön gewesen wäre. Ganz im Gegenteil.
Es war eher dieses leise Wissen, dass da noch mehr auf uns wartete. Mehr von dieser anderen Seite Griechenlands, die wir gerade erst begonnen hatten zu entdecken.
Ein kurzer Schlag nach Aigina – und plötzlich Karibik
Also entschieden wir uns spontan, nur ein paar Meilen weiter zur Insel Aigina zu segeln.
Der Wind sah vielversprechend aus, also setzten wir noch in der Bucht das Großsegel. Ein schöner Moment. Einer von denen, in denen man denkt: Jetzt passt alles.
Doch kaum draußen – Flaute.
Also Motor an. Zum Glück waren es nur elf Meilen bis Aigina
Was uns dort erwartete, ließ alles vergessen.
Ein echtes Wow.
Türkisblaues, kristallklares Wasser. Einsame Strände. Eine kleine Miniinsel direkt vor Aigina mit einer alten griechischen Kirche. Und gerade einmal zwei andere Boote vor Anker.
Es fühlte sich an wie Karibik – nur ohne Palmenklischee.
Das Ankern war etwas knifflig, denn zwischen den Inseln gab es nur einen schmalen Streifen mit knapp zwei Metern Tiefe. Aber es funktionierte.
Wir frühstückten, badeten, ließen die Landschaft einfach wirken. Also Motor an.
Zeit schien stillzustehen.
Wenn sich Stimmung verändert
Am Nachmittag füllte sich die Bucht zunehmend mit Booten. Dazu kam plötzlich eine unangenehme Welle um die Ecke. Die Leichtigkeit des Vormittags löste sich langsam auf.
Wir beschlossen kurzerhand, weiter um die Ecke nach Agia Marina zu verlegen.
Es war bereits später Nachmittag. Wir nahmen das Dinghy und ich ging einkaufen, während mein Mann – wie immer offen und neugierig – mit ein paar Seglern in der Marina ins Gespräch kam.
Aigina ist bekannt für ihre Pistazien. Also landeten natürlich welche in unserer Tasche. Pistazieneis inklusive.
Wir lieben diese kleinen griechischen Küstenorte. Fernab der großen touristischen Hotspots wie Santorini oder Athen.
Hier fühlt man sich nicht wie ein Besucher, sondern eher wie jemand, der für einen Moment dazugehört.
Griechische Gelassenheit, Freundlichkeit, Ruhe. Man taucht ein – ganz selbstverständlich.
Sterne, Unruhe und das Gefühl von „weiter“
Den Abend verbrachten wir unter einem fantastischen Sternenhimmel. Auf dem Meer wirkt er irgendwie näher. Intensiver.
Und doch war sie wieder da, diese Unruhe.
Nicht laut. Nicht panisch.
Eher wie ein inneres Ziehen, das uns zuflüsterte: Das hier ist noch nicht der Ort zum Bleiben.
Diese Unruhe kannten wir bereits – sie gehört zu diesem Leben auf dem Wasser dazu.
Am nächsten Morgen spürten wir erneut den Drang weiterzuziehen.
Wir sagten uns immer wieder, dass wir in der nächsten Bucht eine längere Pause einlegen würden. Und trotzdem zogen wir Tag für Tag weiter. Wir genossen die kleinen Momente, aber verstanden nicht ganz, warum wir innerlich nicht zur Ruhe kamen.
Zwischen Riesen aus Stahl
Vor uns lag das erste Mal ein Verkehrstrennungsgebiet. Tanker, Fähren, Containerschiffe – dichtes Gedränge auf dem Wasser.
Wir wollten queren, um vor dem Poseidon-Tempel zu ankern.
Zu unserer Zeit war richtig viel los. Es war schwierig, den passenden Moment zu finden, um zwischen den Riesen eine sichere Lücke zu erwischen. Schließlich soll man den fließenden Verkehr nicht behindern.
Angst war da – aber sie bestimmte nicht mehr unsere Entscheidungen.
Es ist ein besonderes Gefühl, mit fünf Knoten zu queren, während Schnellfähren mit dreißig Knoten auf einen zurauschen. Herzklopfen inklusive.
Und ja – auch diese Situation meisterten wir.
Schutzengel bei Poseidon

Die Bucht vor dem Poseidon-Tempel war gut gefüllt. Mindestens fünfzig Boote lagen vor Anker. Erst später erfuhren wir, dass dieser Ort besonders bei Chartercrews beliebt ist.
Trotzdem lag eine entspannte, fast friedliche Stimmung in der Luft. Das Meer war glatt wie ein Spiegel.
Und irgendwie hatten wir beide das Gefühl, dass wir uns hier – ganz still – einen kleinen Schutzengel abholten.
Denn wir wussten: Das Meltemi-Gebiet wartete auf uns.
Und auch wenn wir es damals noch nicht benennen konnten – wir waren nicht mehr ganz dieselben Menschen wie zu Beginn dieser Reise. Ruhiger. Präsenter. Und bereit, uns von dem, was kommt, weiter verändern zu lassen.

Danke fürs Lesen.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.
Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon viele Meilen hinter uns – obwohl wir ohne große Segelerfahrung gestartet sind.



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