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Gefangen im Paradies – 5 Tage Starkwind in einer einsamen Bucht in Griechenland

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 30. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit


Die Ankerbucht in Griechenland bei Katalopa war alles, was wir uns gewünscht hatten.


Hohe goldene Berge.

Katapola - Griechenland - Leben auf dem Katamaran

Dunkelblaues Wasser.

Ein schmaler Kiesstrand.

Höhlen zum Schnorcheln.


Niemand.


Ein Ort, für den andere um die halbe Welt fliegen würden.


Wäre da nur der Wind nicht gewesen.




Ankommen in Katalopa – Rettung und Zweifel zugleich


Als wir in der Bucht bei Katalopa ankamen, sprang ich sofort ins Wasser. Es war kühl, klar, voller Fische – wie ein Aquarium. Nach der rauen Überfahrt fühlte sich dieser Ort an wie eine Belohnung.


Auf dem Plotter.


Keine Boote in der Nähe.


Wir waren erleichtert.

Und gleichzeitig skeptisch.


Warum liegt hier niemand?




Wenn der Wind bleibt


Am Nachmittag kamen die ersten Böen. Der vorhersagte Starkwind in Griechenland - Meltemi war da.


Unser Maido drehte sich ungemütlich von rechts nach links. Der Wind war eisig, fast schneidend.

Wir verzogen uns in den Salon und sagten uns, dass es morgen bestimmt besser wird.


Es wurde nicht besser.


In der Nacht nahm der Wind zu.


Am nächsten Tag auch.


Wir waren nicht wegen des Wetters verunsichert.

Sondern wegen unserer Planung.


Wasser hatten wir genug.

Für eine Woche mindestens.


Aber Lebensmittel?

Zigaretten?

Knapp.


Google Maps zeigte uns, was wir längst ahnten:

Wir lagen am Ende der Welt.


Eigentlich suchen wir genau solche Orte.

Nur diesmal waren wir nicht dafür vorbereitet.


Wir waren nicht frei.


Und genau da begann etwas zu kippen.




Paradies-Gefängnis

Katapola - Ankern in Griechenland auf Katamaran

Oben auf der Klippe entdeckte ich ein kleines Café.


Nach langem Überlegen ließen wir das Dinghy ins Wasser. Die Fahrt zum Strand war unangenehm. Wind und Gischt brannten auf der Haut.


Ich stieg die Treppen hinauf – und traf auf überraschend herzliche Menschen. Wir plauderten. Sie sagten mir, die nächste Stadt sei 40 Minuten mit Bus oder Taxi entfernt und der Wind würde sich frühestens in zwei Tagen beruhigen.


Zwei Tage??


Ich fuhr am nächsten Tag in die Stadt mit dem einzigen Bus des Tages los.


Auf der Nordseite der Insel wurde mir klar, warum in der Gegend kein Boot unterwegs war.

Der Wind war unerträglich. Die Wellen donnerten gegen den Kai. Festgemachte Boote kämpften in ihren Leinen.


Mehr als 30 Knoten.

Ohne Zweifel.


Ich kaufte so viel Proviant, wie ich nur tragen konnte. Der Rückweg mit dem Taxi über schmale, unbefestigte Straßen dauerte fast ewig.


Als ich wieder an Bord war, waren wir versorgt.


Eigentlich.





Wir sind auch nur Menschen


Die Sonne schien.

Aber wir froren.


Im Cockpit zu sitzen war unmöglich. Zu windig. Zu kalt. Wir fühlten uns zurückversetzt in unsere Zeit in Holland – nur mit schönerer Kulisse.


Langsam nagte es an unserer Stimmung.


Am dritten Tag begannen wir uns über Kleinigkeiten zu streiten.


Über Nichts.

Über alles.


Über den richtigen Zeitpunkt zum Auslaufen.

Über das Essen.

Über die Wetter-App.


Wir haben uns noch nie so oft scheiden lassen wie in dieser Bucht.


Natürlich nicht ernsthaft.


Aber in Gedanken.

In genervten Blicken.

In diesem Schweigen, das plötzlich schwer wird.


Vier Tage auf engem Raum, mit Wind, der nicht nachlässt, zeigen Seiten, die man im Sonnenuntergang nicht sieht.


Wir sind kein perfektes Paar auf einem perfekten Boot.


Wir sind zwei Menschen.

Mit Müdigkeit.

Mit Ungeduld.

Mit Stolz.


Und manchmal auch mit Trotz.




Das Meer verstärkt, was da ist


Ich merkte, wie meine Laune Tag für Tag sank.

Das Leben auf dem Katamaran ist manchmal nicht so leicht.

Sogar Yoga ließ ich aus.

Ich zog mich zurück, schaute Videos, wollte kurz irgendwo anders sein.


Es half nicht.


Der Wind hörte nicht auf.

Und ich konnte ihm nichts entgegensetzen.


Vielleicht war es genau das.


Nicht die Böen.

Nicht die Vorräte.


Sondern dieses Gefühl, keine Kontrolle zu haben.


Wir waren einfach ausgeliefert.


Nicht in Gefahr.

Aber gefangen.


Gefangen im Paradies.




45 Knoten Realität


Plötzlich aus dem nichts tauchte ein Katamaran am Horizont auf. Er kämpfte sichtbar mit den Wellen.

„Wenn er das schafft …“, dachten wir.


Kurz darauf kam eine Nachricht über Navily:

Wie ist der Untergrund bei euch? Ist noch Platz?


Bevor ich antworten konnte, musste das Boot wegen der Wellen abdrehen und suchte Schutz in der Nachbarbucht.


Eine zweite Nachricht folgte:

Bleibt, wo ihr seid! Fahrt nicht raus! Hier sind über 45 Knoten.


45 Knoten!


Und unsere Stimmung sank noch tiefer.


Wie lange noch?


Ab da wollte ich nur noch weg.




Resignation


Der Strand war keine echte Option. Jede Dinghy-Fahrt war ein Risiko, und ab Mittag füllte sich der Strand mit Menschen. Wir wollten niemanden gefährden.


Am Abend resignierte ich innerlich.


Wir gingen früh schlafen.

Ich war tot müde.


Die Nächte waren unruhig gewesen. Das Boot arbeitete, auch wenn der Anker hielt.


Am fünften Tag fühlte es sich an, als hätte der Wind etwas nachgelassen.


Vielleicht nur Wunschdenken?




Nicht jeder schöne Ort fühlt sich richtig an


Ein Segelboot, dass vorbei fuhr, bestätigte uns über Funk: 25 Knoten, zwei Meter Welle.


Nicht ideal.

Aber machbar.


Mit Mühe und Hoffnung zogen wir den Anker hoch.


Endlich raus.


Und etwa eine Stunde später wurde das Meer ruhiger. Fast sanft.

Als wäre nichts gewesen.

Weit und breit kein Boot.


Und während wir Richtung Astypalea durch die Ägäis segelten, wurde mir etwas klar:


Es gibt Orte, die sind perfekt.

Und trotzdem fühlt man sich dort nicht gut.


Nicht, weil der Ort falsch ist.

Sondern weil man selbst nicht im Gleichgewicht ist.


Das gilt auf See.

Und im Leben.


Man hat nicht nur schöne Tage.

Nicht nur harmonische Gespräche.

Nicht nur Sonnenuntergänge.


Manchmal hat man Wind.

Und Streit.

Und Zweifel.


Und trotzdem bleibt man.


Nicht, weil alles perfekt ist.


Sondern weil man weiß, dass auch das dazugehört.


Und vielleicht mussten wir genau hier lernen, dass äußere Freiheit nichts nützt, wenn wir innerlich im Widerstand sind.



Danke fürs Lesen.






Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.


Dass wir nicht immer bleiben, obwohl es schön ist, haben wir schon in Paros gemerkt.


Als wir damals alles verkauft haben, dachten wir, wir hätten einen perfekten Plan.


Vielleicht braucht es genau solche Tage, um zu verstehen, was Stille wirklich bedeutet.

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