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Die Straße von Messina: Timing, Strömung und Respekt vor dem Meer

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 15. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit
Messina Straße bei Sonnenaufgang


Die Straße von Messina fühlte sich für uns ein bisschen an wie ein Déjà-vu vom Atlantik.

Schon damals hatten wir gelernt:

Wenn man die Strömung falsch erwischt, bewegt man sich entweder kaum vom Fleck –oder fährt gefühlt rückwärts.


(Die Straße von Messina ist eine der strömungsstärksten Passagen im Mittelmeer – mit wechselnden Richtungen und Geschwindigkeiten, die exaktes Timing erfordern.)


Der große Unterschied hier:

Im Atlantik mussten wir rechnen, schätzen, hoffen.


In Italien?

Die Strömungen sind fein säuberlich dokumentiert, mit Uhrzeiten und Tabellen.


Grazie dafür.


Wir suchten uns ganz bewusst einen Tag mit möglichst wenig Wind aus.

Denn eins war klar:

Strömung und Wind und Fähren brauchen wir nicht gleichzeitig.




Frühstart für gutes Timing


Wir ankerten extra nur etwa fünf Seemeilen entfernt, um morgens direkt zum optimalen Zeitpunkt starten zu können.


Kurz nach Sonnenaufgang ging es los.

Schon von weitem sahen wir es:

Das Wasser am Kap brodelte, schäumte, wirbelte – als würde jemand einen gigantischen Mixer einschalten.


Und dann waren wir drin.




Der Staubsauger-Effekt


Kaum hatten wir in die Meerenge abgebogen, passierte es:


MAIDO wurde eingesogen.


5 Knoten.

6.

7.

8.

9.


Sekundentakt.


Und plötzlich:

Fähren.

Große.

Schnelle.

Viele.


Die Straße von Messina ist kein Ort für Romantik.

Hier gilt: Augen auf, Plotter checken, safe ist safe.


Eigentlich darf man die Meerenge laut Verkehrsregeln nur im rechten Winkel zum Kiel queren.

Aber als wir sahen, dass die engste Stelle gerade frei war – keine Schiffe auf dem Plotter, kein Verkehr in Sicht – entschieden wir uns für den schnellsten Weg.


Bis hierhin hatten wir mit dieser Strategie ziemlich gute Erfahrungen gemacht.




Perfektes Timing… fast


Fast waren wir durch.

Da passierte es.


Rechts näherte sich eine Schnellfähre mit gut 20 Knoten.

Links legten gleichzeitig zwei Fähren mit ordentlich Tempo aus dem Hafen ab.


Soviel zum perfekten Timing.


Mein Mann blieb ruhig.

Sehr ruhig.

Hielt den Kurs.


Und tatsächlich:

Alle drei Fähren kreuzten knapp vor uns die Route – und im nächsten Moment waren wir durch.


Andere Seite.

Andere Welt.





Rückenwind, Speed und kurz Hoffnung


Kaum draußen, nahm der Wind leicht zu.

Wahrscheinlich ein Bergausläufer.


Wir setzten das Vorsegel und düsten weiter mit ordentlich Speed.

Endlich wieder segeln.

Endlich wieder dieses Gefühl von Leichtigkeit.


Wir freuten uns schon:


Wow, diesmal kommen wir locker zwei Stunden früher an.


Tja.




Und dann: Willkommen im Ionischen Meer


Und dann passierte es.


Sobald wir das Ionische Meer erreichten, änderte sich die Szene schlagartig.


Vor uns:

Segelboote.

Viele.

Und alle gleichzeitig in Aktion.


Hektisches Segelbergen.

Motoren an.

Kein Zögern.


Bäm.

30 Knoten Wind – direkt auf die Nase.


Jetzt wussten wir, warum hier plötzlich niemand mehr segelte.

Messina Straße wo plötzlich der Wind gedreht hat

Also tuckerten wir weiter.

Zwei Stunden gegenan.

Nicht elegant – aber konsequent.


Zwischendurch eine kurze Badepause.

Einmal abkühlen.

Durchatmen.

Adrenalin abwaschen.

Dann weiter.



Ankommen in Africo Nuovo


Erst gegen Abend, kurz vor Africo Nuovo, ließ der Wind endlich nach.

Ruhe.

Wasser.

Anker runter.




Was von diesem Tag bleibt


Dieser Tag war ein ordentlicher Adrenalinstoß.


Nicht, weil wir uns unsicher gefühlt hätten.

Sondern weil er uns wieder daran erinnert hat:


Egal, wie erfahren man ist.

Egal, wie gut man plant.


Der Respekt vor der Natur bleibt.

Und genau so soll es für uns auch sein.


Denn vielleicht sind es genau diese Tage, die einen weiterbringen als jede Meile.



Die Straße von Messina lag hinter uns.

Das Ionische Meer vor uns.

Und wir? Waren bereit für das Nächste.



Danke fürs Lesen.






Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.


Die Biskaya: Drei Tage Sturm, Sorgen & Delfine - der Respekt vor Strömung und Timing erinnerte uns stark an unsere Atlantik-Erfahrungen.


Wir wählten bewusst einen windarmen Tag – Planung ist hier alles.



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