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Vom Buddyboat zur Einsamkeit der Nacht – unsere bisher größte Etappe

  • Autorenbild: Barbora
    Barbora
  • 17. Nov.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 11 Stunden



Von Zeebrugge bis Frankreich



Eine Etappe voller Zufälle, Glücksmomente – und unserer ersten echten Nachtfahrt




Früher Start und ein vertrautes Déjà-vu


Um fünf Uhr morgens klingelte der Wecker.

Draußen lag der Hafen noch schwarz und still – nur der typische Mix aus Pommesduft und kaltem Hafenwind war schon wach.


Wir machten Maido klar, lösten die Leinen und wollten gerade starten, als sie auftauchte:


die Lagoon 39.

Schon wieder.

Zum dritten Mal.


Ich musste lachen.

Vielleicht wetteten die Holländer wirklich schon, ob wir heute erneut umdrehen würden.




Ein rosa Himmel und der erste Adrenalinkick


Sonnenaufgang bei Zeebrügge mit unserem Katamaran Maido - unser erster Segeltörn beginnt

Als wir aus dem Hafen glitten, färbte sich der Himmel rosa – friedlich, fast kitschig.

Dieser Moment hielt ganze dreißig Sekunden, dann erschien ein Frachter auf direktem Kollisionskurs.


Ein kurzer Funkspruch, ein Kurswechsel – und wir waren wieder sicher.

Immerhin: Unser Seefunk funktionierte endlich.


Draußen zeigte sich die Nordsee ungewohnt freundlich:

kaum Wind, sanfte Wellen, ruhiges Dahingleiten nach Dunkerque.


Und das Beste:

Ich blieb endlich ohne Übelkeit.

Nach den letzten Tagen war das pures Glück.




Wiedersehen im Hafen – und eine neue Segelfreundschaft


Mein Mann oben im Mast, als ich ihm hochgewinscht habe. Er repariert unsere Antenne

Nach zehn Stunden machten wir fest und kümmerten uns direkt um die Antenne.

Mein Mann kletterte – angeknotet am Großfall – 17 Meter den Mast hoch.

Ohne elektrische Winsch.

Ich durfte kurbeln.

Viel.


Kaum war er wieder unten, segelte sie vorbei:


die Lagoon 39 – zum dritten Mal.


Diesmal landeten wir zusammen beim Kaffee.

Stefan und Margit – Menschen, bei denen man sich sofort zuhause fühlt. Wir lachten, tauschten Fehler, Erlebnisse, Glücksmomente aus.


Und irgendwann war klar:

Wir segeln gemeinsam weiter.




Endlich eine Abfahrtszeit, die nicht mitten in der Nacht liegt


„Warum fahrt ihr eigentlich immer so früh los?“, fragten die beiden am nächsten Morgen.

Gute Frage.

Wirklich gute Frage.


Für die nächste Etappe nach Boulogne-sur-Mer entschieden wir uns zum ersten Mal für eine normale Abfahrtszeit: 9 Uhr.


Das Timing fürs letzte Kap war entscheidend – und passte perfekt.

Wir glitten herum, kaum Wind, aber die Strömung zog uns mit fast acht Knoten weiter.

Ein kleiner Triumph.


Die Hafeneinfahrt dagegen war weniger freundlich:

Die Strömung packte Maido und drückte sie seitlich Richtung Wand.

Ein kurzer Schockmoment – dann waren wir drin.




Ein Hafen wie ein Naturwunder


Boulogne-sur-Mer überraschte uns mit einem Phänomen, das man kaum begreift, wenn man es nicht gesehen hat:


acht Meter Tidenhub.



Beim Einlaufen fühlte sich der Hafen an wie eine Grube.

Am nächsten Morgen lag unser Steg fast auf Straßenniveau.

Manchmal staunt man einfach nur still.


Wir blieben eine weitere Nacht – das Wetter zwang uns ohnehin dazu. Und dann kam die nächste Überraschung:


Die Vlie lief ein – Kai!


Ein Wiedersehen, das uns riesig freute. Und plötzlich hatten wir zwei Buddyboats.




Der Abschied – und der Beginn eines neuen Kapitels


Am nächsten Morgen trennten sich unsere Routen.

Kai segelte weiter, Stefan und Margit blieben zurück – und wir machten uns alleine bereit.




Unsere erste richtige Nacht auf See


Diese Etappe war anders.

Kein Zwischenstopp.

Keine zehn Stunden, sondern zwanzig.


140 Meilen.

Nur wir zwei.

Unsere erste echte Nachtfahrt.


Natürlich hätten wir – wie Stefan und Margit – teilen können. Aber wir wollten weiter.

Richtung Sonne, Richtung Mittelmeer, Richtung Ziel.

Mit jedem Meter wurde klarer:

Jetzt beginnt etwas Neues.




Sonnenuntergang, Nervosität und die „Alexander von Humboldt II“


Der Sonnenuntergang war magisch.

Orange, pink, weich – als würde der Himmel sich über das Meer legen.


Doch kaum war er verschwunden, kam die Nervosität zurück.

Wir sprachen wenig, hörten viel – vor allem unser Herzklopfen.

Mitten in der Nacht tauchte ein Schiff auf Kollisionskurs auf:

die Alexander von Humboldt II – eines der bekanntesten deutschen Ausbildungsschiffe, wie wir später erfuhren.




Ein kleiner Lichtblitz mit großer Wirkung


Gegen Morgen sah mein Mann das Blitzlicht eines Leuchtturms in Cherbourg-en-Cotentin.

Ein kleiner Moment.

Aber für uns riesengroß.

Wir hatten es geschafft.

Unsere erste Nacht auf See.


Fast da… oder auch nicht


Als wir die Segel runterholten und ich die Leinen vorbereitete, waren wir überzeugt, gleich anzulegen. Bis mein Mann auf den Plotter sah:


„Ähm… wir haben noch 15 Meilen.“


Wir lachten.

Dann stöhnten wir.

Dann lachten wir wieder.


Drei harte Stunden später liefen wir wirklich ein.

Wir fielen ins Bett wie Steine und schliefen gefühlt einen ganzen Tag durch.

Leer.

Erschöpft.

Und unendlich stolz.




Und im nächsten Blog?


Wieder eine Nachtfahrt – und eine, die uns noch einmal richtig fordern wird.






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