Sardinien – Die Insel, die unsere Ruhe verstand (auch wenn der Wind es nicht tat)
- Barbora

- 10. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Wir sind zwei Menschen, die schon immer Ruhe gesucht haben.
Die Stille lieben.
Die ihre Batterien nicht an Orten mit Menschenmassen aufladen, sondern dort, wo das einzige Geräusch der Wind, das Wasser und vielleicht ein paar Möwen sind, die zu spät gemerkt haben, dass sie nicht zum Team „Leise" gehören.
Dieses Gefühl fanden wir schon einmal im Frühling mit dem Camper auf Sardinien – einer Insel, die uns damals komplett verzaubert hatte: milde Temperaturen, türkisfarbene Buchten, majestätische Berge und menschenleere Natur, die sich anfühlt wie einatmen und endlich wieder frei werden.
Deshalb war die Vorfreude riesig, Sardinien diesmal mit unserem eigenen Boot zu erkunden.
Was soll schon schiefgehen?
Nun ja… wie sich herausstellte: Überraschend viel und überraschend windig.
Sonnenaufgang, stille Bucht – und Sardiniens erster Gruß
Am Morgen – die Sonne noch tief und die Welt noch leise – erreichten wir eine wunderschöne, geschützte Bucht zwischen Sardinien und der kleinen Insel Isola di Sant’Antioco.
Vom Look her genau unser Ding: klar, ruhig, naturbelassen.
Aber wie immer, wenn es zu schön ist, räusperte sich der Wind nur kurz……um uns später mit 20+ Knoten daran zu erinnern, dass hier nichts wirklich „ruhig“ bleibt.
Trotzdem verbrachten wir eine erstaunlich entspannte Nacht.
Wir hofften einfach, dass es morgen besser wird.
(Es wird NICHT besser. Kleiner Spoiler.)
Kap Teulada – Paradies, Sperrzone & eine sehr bittere Wahrheit
Am nächsten Tag hatte das Universum ein Einsehen und schenkte uns perfekte Segelbedingungen.
Wir wollten eigentlich bis Teulada segeln – 20 gemütliche Meilen.
Doch kurz hinter dem Kap Teulada tauchte plötzlich eine Bucht auf, die so traumhaft war, dass selbst Google „Wow“ gesagt hätte.
Also hin da.
Dass dort ein Militärgebiet war, wussten wir natürlich.
Dass man hier eigentlich nicht rein sollte… wussten wir auch.

Aber andere Boote lagen schon drin.
Alles klar – dann darf man das wohl. (Dachten wir.)
Die Natur war ein Traum:
Wasser wie flüssiges Glas.
Strände wie aus Photoshop.
Kliffs wie aus einem Fantasy-Film.
Nur eins fehlte:
Leben.
Keine Fische, keine Krabben, nichts.
Und dann erfuhren wir auch warum:
Dieses Gebiet wurde jahrelang zum Abschuss von Munition genutzt.
Ein Testgelände, das unter Wasser Narben hinterlassen hat, die man nicht sieht, aber spürt.
Ein Schlag in die Magengrube.
Der Mensch… manchmal echt nicht zu glauben - einfach grausam - ohne Worter.
Wind – 1, Wir – 0
Tagsüber pustete der Wind fröhlich weiter mit 30 Knoten durchs Rig.
Wir blieben trotzdem.
Aber am nächsten Morgen hieß das Motto:
„Raus hier, bevor wir Wurzeln schlagen.“
Unser nächstes Ziel war Tuerredda, nur wenige Meilen entfernt – eine Bucht, die in jedem Reisemagazin wie ein kleines Wunder aussieht.
Und tatsächlich: wieder ein Traum.
Und wieder 30 Knoten.
Und wieder die Frage:
„Wind, was haben wir dir eigentlich getan?!“
30 Knoten – diesmal frontal ins Gesicht
Am nächsten Tag meinten Wetter und Natur:
„Jetzt reicht’s, ihr bleibt hier nicht einfach glücklich rumglitzern.“
Es waren wieder 30 Knoten – diesmal aber voll auf die Nase.
Viele Segler drehten um und suchten Schutz.
Wir versuchten zu kreuzen, kämpften gegen Wellen wie Betonmischer.
Das Problem beim Gegenwind:
Man kommt kaum vorwärts und ist maximal schlecht gelaunt.
Irgendwann erreichten wir den Süden von Sardinien und ankerten – der Wind immer noch am Austicken.
Ich hatte gehört, dass Sardinien windig ist, aber durchgehend ohne Pause?
Nein danke, so stand das nicht im Prospekt.
Villasimius – einmal auftanken, bitte
Weiter ging’s Richtung Villasimius: Diesel tanken, Wasser füllen, Einkäufe erledigen.
Mitte Juli – und es fühlte sich eher an wie Anfang Frühling.
Bewölkt, windig, Wassertemperatur so mittel.
Für uns Mimosen nicht ideal, aber gut, um Dinge zu erledigen.
Eigentlich wollten wir bleiben.
Aber Sardinien hatte uns noch nicht genug durchgepustet.
Also entschieden wir uns nach vier Tagen:
Ab nach Sizilien.
Doch vorher…
Eine Bucht zum Verlieben – und ein Kapitel aus der Kategorie „Boot vs. Haken“
Um die Strecke nach Sizilien möglichst kurz zu halten, ankerten wir noch einmal auf der Ostseite von Villasimius um.
Und was soll ich sagen:
Traumbucht. Wieder.
Wie Sardinien das immer macht? Keine Ahnung.
Diesmal gab es vier Bojen – und eine einzige war frei. Perfekt.
Wir wussten aus Brest:
Beim Boje-Fangen müssen wir unsere Technik etwas überdenken.
Also:
Ich bewaffnete mich mit dem Bootshaken, mein Mann manövrierte sanft ran.
So der Plan.
In der Realität fuhren wir ein bisschen vor, ein bisschen zurück, ein bisschen daneben.
Und dann passierte es:
Ich blieb mit dem Bootshaken blöderweise an der Boje hängen – und zack, machte es plopp.
Der Haken verabschiedete sich ins tiefe Blau.
Scheiße.
Hier darf man NUR an die Bojen.
Ankern streng verboten.
Und wir?
Standen da.
Ohne Haken.
Ohne Boje.
Und mit einem sehr genervten Wind, der uns weiter anschrie.
Doch dann kam unser Bojen-Nachbar im Dinghy angerauscht – ein absoluter Held.
Er half uns festmachen, grinste und sagte:
„Passiert jedem einmal.“
Schon wieder gerettet.
Und diesmal gleich doppelt.
Wir lagen sicher.
Die Bucht war ein Traum.
Und wir schliefen ein wie zwei Kinder nach einem Tag voller Abenteuer.
Und morgen? Sizilien ruft.
Sardinien hatte uns wieder alles gegeben, was wir lieben:
Natur, Stille, traumhafte Buchten.
Und alles, was wir nicht lieben:
Wind, Wind… und mehr Wind.
Aber trotz allem:
Wir würden jederzeit wiederkommen.
Denn Sardinien ist eine Insel, die dich nicht nur anschaut – sie berührt dich.
Tief.
Und jetzt?
Ab nach Sizilien.
Aber das… ist eine neue Geschichte.
Wenn du mehr vom Wasser willst – nicht als Post, sondern als Brief: hier entlang.
Unsere ersten Boatlife-Erfahrungen – „Wie alles begann: Unsere ersten Wochen im Boatlife.“
Vanlife vs. Boatlife – Was uns wirklich erfüllt – „Warum wir Camping und Segeln lieben – unser Vergleich.“
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